Loretta Napoleoni

Die Ökonomie des Terrors

Auf den Spuren der Dollars hinter dem Terrorismus
Cover: Die Ökonomie des Terrors
Antje Kunstmann Verlag, München 2004
ISBN 9783888973543
Gebunden, 445 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gabriele Gockel, Sonja Schuhmacher und Bernhard Jendricke. Fundamentalismus, "Kampf der Kulturen": Der weltweite Kampf gegen den Terrorismus wird gern unter ideologischem Etikett geführt. Dass es sich dabei im Kern um eine wirtschaftliche Auseinandersetzung handelt, ja dass es inzwischen eine eigene "Ökonomie des Terrors" gibt, die mit der regulären Wirtschaft vielfältige Beziehungen unterhält, ist die brisante These dieses Buchs. Die neue "Ökonomie des Terrors", deren Volumen die Autorin auf fünf Prozent des Weltsozialprodukts schätzt, ist nicht zufällig entstanden. Die Globalisierung, die mit dem Versprechen auf weltweiten Frieden und Wohlstand angetreten war, hat mit der Freigabe der Finanzströme Bewegungen wie al-Qaida paradoxerweise erst möglich gemacht. Als rasch wachsendes Wirtschaftssystem ist die internationale Terrorökonomie inzwischen ein Teil der regulären Wirtschaft geworden und droht diese zu unterwandern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2005

Andreas Freytag wägt Vorteile und Mängel dieser Studie zur Ökonomie des internationalen Terrors gegeneinander ab und kommt nach sorgfältiger Prüfung zu dem Schluss, dass die "Lektüre empfohlen werden" kann. Zunächst aber macht der Rezensent unmissverständlich klar, dass die Behauptung des Klappentextes, bei dem Buch handele es sich um "die erste ökonomische Analyse" von Terrorismus, "schlicht falsch" ist, weil es zahlreiche ähnlich gelagerte Untersuchungen gibt, wie er unterstreicht. Trotzdem preist er die Studie erst einmal als "Gewinn" an, da die Autorin in ihrem Buch deutlich machen kann, dass es sich bei Terrorismus nicht wie oft behauptet um einen "Kulturkampf" handelt, sondern maßgeblich auf "geopolitische Strategien" des Kalten Krieges zurückzuführen ist. Napoleoni hält sich bei der Darstellung mit "Wertungen" oder politischen Empfehlungen" vollständig zurück und gibt stattdessen einen Einblick in die sich im Lauf der Zeit wandelnde Finanzierung des internationalen Terrors, wobei sie mit "vielen Details" die Bildung von Netzwerken und "Schattenstaaten" sehr anschaulich erläutert, lobt der Rezensent. Als wirklich schwerwiegende Mängel der Studie aber moniert er die zum Teil viel zu hoch gegriffenen "Zahlen über Finanzströme", und auch nach Belegen für die von Napoleoni vorgelegten Zahlen sucht er vergebens. Dazu kommt noch die falsche Verwendung von ökonomischen Fachtermini, die Freytag weiter zur Kritik ermuntern und schließlich findet er auch plötzlich die Zurückhaltung der Autorin, Empfehlungen zur Terrorbekämpfung auszusprechen, nicht mehr zufriedenstellend. Trotzdem betont er am Ende, dass im Ganzen sein Lektüreeindruck "positiv" sei, wie er bekräftigt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2004

Recht aufschlussreich findet Thomas Speckmann dieses Buch, in dem sich die italienische Wirtschaftswissenschaftlerin Loretta Napoleoni mit dem globalen Wechselspiel zwischen Ökonomie und Terror befasst. "Höchst anschaulich" schildere die Autorin die Entwicklung vom staatlich geförderten Terrorismus während des Kalten Krieges über bewaffnete Gruppen bis hin zu Organisationen, die sich komplexer Geschäftsmethoden und Finanzierungsinstrumente bedienen, um ihre Ziele zu erreichen, lobt Speckmann. Napoleoni zeige, dass in der globalisierten Welt Teile der "neuen Ökonomie des Terrors" unausweichlich in Wechselwirkung mit der Wirtschaft westlicher Länder treten. So bildeten Geldwäscherei, legale Firmen, hinter denen bewaffnete Organisationen stehen, und Spenden die Verbindungen zwischen den beiden Systemen. Als "erschreckend hoch" bezeichnet Speckmann dabei die gegenseitige Abhängigkeit. Napoleoni halte die wechselseitigen Beziehungen sogar für derart eng, dass die Wirtschaft des Westens in einer tiefen Rezession versinken würde, sollten die Mittel der "Terrorökonomie" plötzlich aus dem internationalen Wirtschaftssystem herausgenommen werden. Ein wenig utopisch mutet Speckmann daher auch Napoleonis Appell an, sich über die ökonomischen Entscheidungen, die das globale Zusammenleben prägen, zu informieren und Einfluss auf sie zu nehmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2004

Verdienstvoll findet Rezensent Rudolf Walther dieses Buch von Loretta Napoleoni, das sich mit der Ökonomie des Terrors befasst - ein Aspekt, der bisher oft erwähnt, aber nie systematisch dargestellt wurde. Die Befunde, die die Autorin zusammengetragen hat, ergeben für Walther ein "ziemlich düsteres Bild": Auf 1,5 Billionen US-Dollar jährlich beziffere Napoleoni nach einer vorsichtigen Schätzung das Volumen der "Ökonomie des Terrors". Sie diagnostiziere zwei Wirtschaftssysteme: die legale Wirtschaft und eine von Terroristen betriebene Schattenwirtschaft, die neben legalen auch terroristische Aktivitäten finanziert. So verfüge die Hamas zum Beispiel über eine Stiftung als Spendenfabrik, mit deren Mitteln sie Schulen und Krankenhäuser errichtete, aber auch Selbstmordattentäter ausbildete. Anschaulich schildere die Autorin, wie Schattenwirtschaften und Schattenstaaten zwischen Kolumbien, Indonesien, Afghanistan, Albanien, Bosnien und im Kaukasus funktionieren. Ein wenig bedauerlich findet Walther allerdings, dass es Napoleoni nicht bei der belegbaren Beschreibung belasse, sondern Spekulationen über einen "Gesamtplan" für einen weltweiten Islamistenaufstand anstelle. Damit belaste sie das "materialreiche und spannende" Buch mit einem "Wust von Scheinwissen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.05.2004

Johano Strasser zeigt sich von diesem Buch über die Finanzierung terroristischer Bewegungen sehr beeindruckt. Auf mehr als 300 Seiten zeigt die italienische Autorin Loretta Napoleoni die "verzweigten Geldströme" auf, die die finanziellen Bedürfnisse terroristischer Aktivitäten decken, erklärt der Rezensent. Er hebt hervor, dass die Autorin deutlich macht, wie sich die Finanzierung terroristischer Bewegungen im Lauf der Zeit verändert hat. Während nämlich während des Kalten Krieges Terrorismus größtenteils staatlich finanziert und unterstützt wurde, finanziert sich heute der Terror weitgehend selbst, so Strasser beeindruckt. Als besondere "politische Pointe" dieser Ausführungen hebt er die Feststellung der Autorin hervor, dass die "gegenwärtige Anti-Terror-Politik" der USA durch diese Erkenntnis als absurd entlarvt wird. Denn wenn die "Infrastruktur des Terrors" schlicht ein "Teil der Weltökonomie" darstellt, dann macht es auch keinen Sinn, zur Terror-Bekämpfung Krieg gegen einzelne Staaten zu führen, so Strasser zustimmend.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.05.2004

Beunruhigend findet Rezensent Eberhard Seidel die Befunde, die die Wirtschaftswissenschaftlerin Loretta Napoleoni in ihrer "faktenreichen Analyse" des internationalen Terrorismus und seiner ökonomischen Dimension vorlegt. Auf 1,5 Billionen US-Dollar jährlich schätzt die Autorin das Volumen der "Ökonomie des Terrors". Längst seien die bewaffnete Organisationen über Geldwäsche und legale Firmen mit der Wirtschaft westlicher Länder und insbesondere der USA verwoben. Seidel hebt hervor, dass Napoleoni anhand zahlreicher Beispiele zeigt, wie sich aus den Rebellengruppen, die zur Zeit des Kalten Krieges in vielen Teilen der Welt von den Großmächten alimentiert wurden, nach 1989 wirtschaftlich autonome und international operierende Terrororganisationen entwickelten. Eine Voraussetzung hierfür erkenne Napoleoni in der mit der Globalisierung einhergehen Fragmentierung, in Privatisierung, Deregulierung, Offenheit und dem freien Verkehr von Arbeit und Kapital. Als Hauptantriebskraft der Ökonomie des Terrors mache Napoleoni die zeitgenössische Form des Dschihad aus, wie ihn Bin Laden propagiere. Napoleonis Buch stellt für Seidel ein "gewichtiges Argument" gegen die populäre These dar, der Islamismus habe seinen Höhepunkt bereits überschritten. Nach der Lektüre hält er eher das Gegenteil für wahr.