Herausgegeben von Jörg Echterkamp im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamts. Welche sozialen, politischen zund kulturellen Entwicklungen haben auf deutscher Seite den Zweiten Weltkrieg fast sechs Jahre lang ermöglicht und begleitet? Wie wirkten die militärischen Ereignisse auf die Menschen im Deutschen Reich zurück? Diese und weitere Fragen richten im vorliegenden Doppelband den Blick auf diejenigen, die den Krieg geführt und unter seinen Folgen gelitten haben.
In höchsten Tönen lobt der Historiker Hans-Ulrich Wehler diese beiden Bände, in denen seine Kollegen vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt eine "imposante" Bilanz ihrer Forschungen präsentieren. Als einen "Höhepunkt an empirischer Leistung, abwägender Interpretation und konkreter Wissensvermittlung" würdigt Wehler diese beiden Konvoluten, die seiner Meinung nach auf absehbare Zeit konkurrenzlos dastehen werden. In verschiedenen Beiträgen, informiert der Rezensent, gehen die Autoren der allem zugrunde liegenden Frage nach, was bei dieser deutschen Gesellschaft die Energie erzeugte, um über sechs Jahre den Kontinent in Schutt und Asche zu legen, woher diese Mordbereitschaft rührte. Von den Themen der Beiträge, die Wehler allesamt ganz ausgezeichnet findet, führt Wehler die Penetrationsleistung der NSDAP auf, die Arbeitslager, die Verbindung von Ostkrieg und Holocaust, die politische Mentalitätsgeschichte, der militärische Widerstand, der Nationalismus und der Bombenkrieg. Zum Schluss hat der glückliche Rezensent nur noch einen Wunsch: "Wie erquicklich wäre es, wenn der Verlag diese imposanten Bände in zehn, zwölf Paperbacks zu einem erschwinglichen Preis dem Interessenten zugänglich machen würde!"
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005
Aufschlussreich findet Dietmar Süß diesen von Jörg Echternkamp herausgegebenen Band über das Deutsche Reich und den Zweiten Weltkrieg, der zeige, wie unterschiedlich die Erfahrungen des Krieges sein können. Als "vorbildlich" lobt Süß die Verbindung verschiedener Perspektiven, die der Band vornimmt: die Dynamik und Radikalisierung des Krieges, die Mobilisierung aller Ressourcen, die Kontinuität und Veränderungen von Denk- und Verhaltensmustern seit dem Ersten Weltkrieg, und die Entgrenzung der Gewalt als wesentliches Element der deutschen Kriegsgesellschaft. "Besonders gelungen" findet Süß den Beitrag von Armin Nolzen, der die zentrale Rolle verdeutliche, die die NSDAP für die Mobilisierung der Bevölkerung und ihre lang währende Loyalität spielte. Während des Kriegs habe die Partei ihren Herrschaftsbereich immer weiter ausgedehnt, wobei viele Deutsche freiwillig eine Mitgliedschaft eingingen, um aufzusteigen oder sich persönlich zu bereichern. Diesen Prozess "volksgemeinschaftlicher" Integration, der auf antijüdischer Ausgrenzung basierte, zeige Nolzen "äußert anschaulich".
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