Nicholas Stargardt

Maikäfer flieg!

Hitlers Krieg und die Kinder
Cover: Maikäfer flieg!
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2006
ISBN 9783421059055
Gebunden, 581 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gennaro Ghirardelli. Als das erste Opfer eines Krieges gilt die Wahrheit, die Kinder sind sein letztes, denn sie tragen die Erinnerungen an Schrecken, Not und Tod viele Jahrzehnte lang mit sich. So vielfältig die Erlebnisse von Kindern und Jugendlichen unter den Nazis waren, so sehr sie sich durch die jeweiligen Lebensumstände unterschieden - im Dritten Reich und in den Konzentrationslagern, auf dem Land und in den vom Bombenkrieg zerstörten Städten, in Kriegsgefangenenlagern und in den großen Flüchtlingstrecks, haben sie doch gemeinsam, dass der Zweite Weltkrieg sie tief geprägt hat. Nicholas Stargardt hat sich die Aufgabe gestellt, die Erlebnisse und Erinnerungen dieser Generation in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu sammeln und als große Erzählung den Generationen der Kinder und Enkel zu vermitteln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2006

Nicholas Stargardt gebe allen Kindern im Zweiten Weltkrieg eine Stimme, ob Hitlerjunge oder Kind im Warschauer Ghetto. Bemerkenswert aus Sicht von Rezensent Ludger Heid ist, dass gerade an Kindern die Tiefenwirkung des Nationalsozialismus beobachtet werden kann, da sie die "Fähigkeit" hätten, extremste Verhältnisse als normal zu verstehen. Wenn solche Verhältnisse dann als "Denkmuster" auch noch lange nach dem Krieg weiterlebten, referiert der Rezensent, sei das auch ein Beweis für die Wirksamkeit der umfassenden nationalsozialistischen Erziehungsstrategien. Lobenswert an Nicholas Stargardts' Studie seien aber auch die vielen Geschichten von Kindererfahrungen, die sich nicht so einfach interpretieren oder bewerten ließen, das sie sich den "griffigen" Thesen der Historiker entziehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006

Es sei ja nun keineswegs so, dass man über Kindheit im Dritten Reich wenig wüsste, stellt der Rezensent Nils Minkmar erst einmal fest. Dennoch erfährt man in diesem Buch des britisch-australischen Historikers Nicholas Stargardt manch Neues. Lobenswert findet Minkmar vor allem die "Akribie" der Untersuchungen und mehr noch die Auswahl des "erstaunlichen und ergreifenden Quellenmaterials". Vor allem im Bereich der "Behindertenheime, Internate und Jugendstrafanstalten" finde sich hier doch manch Unbekanntes dargestellt. Einwände hat der Rezensent freilich auch: Unglücklich scheint ihm, dass sich der Autor an einer von vornherein wenig überzeugenden "Kollektivtrauma"-These abarbeitet. Auch das deutsche Lektorat hat für seine Begriffe eher schlampige Arbeit geliefert, für die die "Redundanz" einer Angabe wie "Leipzig in Sachsen" dem Rezensenten bezeichnend ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Nicholas Stargardts Untersuchung über "Hitlers Krieg und die Kinder" hat Gabriele von Arnim überaus beeindruckt. Wie sie berichtet, geht der britische Historiker anhand zahlloser Dokumente, Briefe und Tagebücher der Frage nach, wie Kinder den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus erlebten. Dabei untersuche er Erfahrungen, Prägungen und Reaktionen von jüdischen Kindern und verschleppten polnischen Arbeitskräften ebenso wie von Nazikindern und Hitlerjungen, die bis zuletzt für den Endsieg kämpften. Arnim unterstreicht, dass es Stargardt nicht darum geht, Leid zu vergleichen, sondern Krieg, Rassenwahn, Massenmord aus den Blickwinkel von Kindern zu sehen. Sie würdigt die langjährigen akribischen Recherchen des Historikers, die er zu einem höchst instruktiven Buch verarbeitet habe. Das Fazit der Rezensentin: ein "lebendiges, erschütterndes Zeugnis der Zeit".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2006

Ebenso beeindruckt wie erschüttert ist Rezensentin Dagmar Pöpping von diesem Buch des britischen Historikers, dessen deutsche Ausgabe sie sehr begrüßt. Diese Studie über Kinder im Krieg, in der Nicholas Stargardt neben historischen Quellen auch Kinderspiele, Schularbeiten, Tagebücher und Briefe von Kindern ausgewertet habe, las sich für sie wie ein spannender Roman. Das Außergewöhnliche dieser Studie besteht für die Rezensentin außerdem darin, dass hier nicht nur über die Kinder der Opfer sondern auch die der Täter geschrieben werde, woraus sich für Pöpping ein besonders klares, aber auch schockierendes Bild von der Wirkungen des Krieges auf Kinder ergeben hat. Sie schreibt von kaltblütigen Jugendlichen, die ohne Regung Massenerschießungen zusahen und von Kindern in Konzentrationslager, die "Gaskammer" spielten. Während die Erwachsenen die Realität zu verdrängen suchten, befindet die Rezensentin angesichts der Schilderungen dieses Buchs, hätten Kinder ihre Neugier geradezu brutal auf diese Wirklichkeit gerichtet, seien jedoch auch von ihr abgerichtet worden. Aber auch der grausame Mord an behinderten oder das "düstere Schicksal" sozial schwacher Kindern greift der Rezensentin immer wieder ans Herz.
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