Habilitationsschrift. Im Schnittfeld der neueren Kultur-, Geschlechter- und Militärgeschichte angesiedelt, zeigt dieses Buch, wie das mythische Leitbild der Kameradschaft die mentale Vorbereitung, die Erfahrung und schließlich die kollektive Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Deutschland geprägt hat. Warum haben die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg so verbissen gekämpft, selbst als die Niederlage schon absehbar war? Und wie konnte es geschehen, dass so viele gewöhnliche Soldaten einen verbrecherischen Krieg unterstützten? Die Antwort liegt nicht nur im Antisemitismus oder im Befehlsgehorsam der Deutschen, sondern in ihrer Sehnsucht nach Gemeinschaft und in der Erfüllung dieser Sehnsucht inmitten massenhafter Gewalt und massenhaften Todes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2006
Instruktiv und "sehr anregend" findet Rainer Blasius diese Studie über die Soldatentugend der Kameradschaft im 20. Jahrhundert, die Thomas Kühne vorgelegt hat. Insbesondere die Untersuchung der Kameradschaft in der Zwischenkriegszeit und im Zweiten Weltkrieg interessiert ihn. Dabei unterstreicht er den Befund des Autors, neben dem Glauben an Hitler, dem Repressionsapparat der Militärjustiz sowie antisemitischen und antikommunistischen Einstellungen der Soldaten habe die Kameradschaft eine entscheidende Rolle für das Durchhaltevermögen der Landser gespielt. Ausführlich berichtet Blasius über den pathetischen Kameradschaftsbegriff der NS-Zeit, der von dem Gedanken der Gruppenmoral und des Zusammenhalts geprägt war.
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