Das letzte Buch des im Oktober 2011 verstorbenen Ji?í Gruša trägt den Titel "Beneš als Österreicher" und beschäftigt sich mit der zweifachen Kapitulation eines Mannes, der auch für die Homogenisierung der nationalen Struktur der Tschechoslowakei verantwortlich war. Sein Nachgeben Hitler gegenüber führte zum Komplex des Defätismus, mit dem die Tschechen bis heute Probleme haben. Sein Nachgeben gegenüber Stalin führte den Staat in das sowjetische Imperium. Grušas Buch hat Züge eines Faktenromans. Die Personen sind real, nicht fiktiv. Die Arbeit mit den Fakten ist wissenschaftlich, die mit dem Wort literarisch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012
Der Autor, Politiker und Diplomat Jirí Grusa hat sein Buch "Benes als Österreicher" geschrieben, kurz bevor er bei einer Herzoperation starb, weiß Michael Frank. Grusa setzt sich darin mit der Rolle Edvard Benes auseinander, der in Tschechien zu den umstrittensten Figuren der Vergangenheit gehöre. Benes war der letzte Präsident der Tschechoslowakei vor dem Kommunismus, berichtet Frank. Aus drei Gründen sehe der Autor in dem Politiker einen Versager: wegen der "Auslieferung der Tschechoslowakei an Hitler-Deutschland" durch die Unterzeichnung des Münchener Abkommens, wegen seiner Rolle bei der legalen Machtübernahme der Kommunisten und weil er Stalin die Karpatoukraine als Kriegslohn überlassen habe. Die "Benes-Dekrete" ermöglichten außerdem die Vertreibung von fast drei Millionen Deutschen und vieler tausend Ungarn. Michael Frank findet das Buch zwar sehr gelungen, empfiehlt aber ein "kleines böhmisches Vorseminar" vor der Lektüre, weil es sonst seine gute böse Kraft einbüße.
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