Wolfgang Schwarz

Brüderlich entzweit

Die Beziehungen zwischen der DDR und der CSSR 1961-1968
Cover: Brüderlich entzweit
Oldenbourg Verlag, München 2004
ISBN 9783486575859
Gebunden, 376 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Das Verhältnis zwischen einzelnen sozialistischen Staaten Europas unter sowjetischer Dominanz war durch eine nach außen hin demonstrierte "Brüderlichkeit" geprägt. Diese propagandistisch zelebrierte Einigkeit entsprach im Fall von DDR und Tschechoslowakei selten der Realität. Anhand von zahlreichen, teils neu erschlossenen Quellen aus deutschen und tschechischen Archiven wird gezeigt, wie sich in den sechziger Jahren die Liberalisierung in der CSSR einerseits und das dogmatische Beharren der SED andererseits auf das zwischenstaatliche Verhältnis beider Länder auswirkten. Inhaltliche Schwerpunkte der Regensburger Dissertation sind die außenpolitische Zusammenarbeit, die Unterschiede in der Politik gegenüber der Bundesrepublik Deutschland, ideologie- und kulturpolitische Differenzen zwischen SED und KSČ sowie die wirtschaftlichen Beziehungen. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich vom Mauerbau im August 1961 bis zum Ende der tschechoslowakischen Reformen durch die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968. Der Band ermöglicht eine Innenansicht der Diplomatie beider Staaten und liefert einen Beitrag zur Erforschung der DDR-Außenpolitik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2004

Wir erinnern uns: nach außen wurde Brüderlichkeit demonstriert, ob mit Küssen oder Panzern, innen jedoch waren die Beziehungen zwischen den sozialistischen Bruderstaaten teilweise reichlich kühl. Eine mustergültige Untersuchung über die Beziehungen zwischen der DDR und der Tschechoslowakei in den 60er Jahren hat nun Wolfgang Schwarz vorgelegt, verkündet Joachim Scholtyseck zufrieden. Schwarz habe für seine Arbeit eine Vielzahl bislang unbekannter Quellen aus deutschen und tschechischen Archiven konsultiert, so Scholtyseck, die den Historiker zu dem Fazit gebracht hätten, dass Mitte der 60er Jahre eine tiefgreifende Krise zwischen Ost-Berlin und Prag schwelte, ein Vorbote der Ereignisse des "Prager Frühlings" im Jahr 1968. Die DDR fürchtete die liberale Haltung der CSSR in kulturellen Dingen, und ebenso wie man um die Gunst in Moskau konkurrierte, wetteiferten die Regierungen um die jeweils besseren Beziehungen zu Bonn, die ja auch wirtschaftlich in beiden Staaten eine Rolle spielten, hat Scholtyseck in Erfahrung gebracht. Zu den Ereignissen von 1968 könne Schwarz keine wesentlich neuen Erkenntnisse mehr aufbieten, meint der Rezensent, was aber nicht etwa am Autor liege, der fabelhaft gearbeitet habe, sondern daran, dass die Vorgänge im "Prager Frühling" weitgehend erforscht seien.