Ishbel Szatrawska

Die Tiefe

Roman
Cover: Die Tiefe
Voland und Quist Verlag, Dresden und Leipzig 2025
ISBN 9783863914141
Gebunden, 450 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Andreas Volk. "Die Tiefe" erzählt die Geschichte mehrerer Generationen einer Familie, deren Schicksal tief mit dem einstigen Ostpreußen verwoben ist, einer Region, wo sich seit Jahrhunderten polnische, masurische, deutsche und litauische Identitäten miteinander verflechten: die Geschichte der Großmutter Janka, der Aristokratin Gudrun, ihres Geliebten Max, eines deutschen Chirurgen, der Tante Gertraud, die von Jankas Sohn, Wolf, und Alicja, dem jüngsten Familienmitglied und einer Anthropologin, die nur schwer damit zurechtkommt, das Elternhaus an der Guber zu verkaufen - ein geheimnisumwobenes Gebäude voller Erinnerungen. Wir folgen den Lebensschicksalen der Protagonistinnen und Protagonisten, beginnend mit der Zeit des Krieges - dem Fall von Königsberg und Rastenburg sowie dem unaufhaltsamen Vorrücken der Roten Armee -, über die Ära des kommunistischen Polens, in der über die Vergangenheit gar nicht oder nur im Flüsterton gesprochen wird, bis hin zur Gegenwart, in der sich ein neuer Konflikt entwickelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025

Fasziniert wandelt Rezensentin Marta Kijowska durch die "labyrinthische Identitätsprosa"  Ishbel Szatrawskas. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen: Einmal während des Krieges und in der Nachkriegszeit, einmal während der Gegenwart. Die beiden Protagonistinnen sind Alicja und ihre Großmutter Janka. Erstere arbeitet an der Uni an einem Projekt zu sexueller Gewalt an Frauen im Zweiten Weltkrieg, die vermutlich auch ihre Großmutter erlebt hat, lesen wir zwischen den Zeilen. Sie kommt ursprünglich aus Vilnius, ist aber in den Kriegswirren nach Ostpreußen gekommen und hat ein Kind mit einem Deutschen bekommen, Alicjas Vater. Am interessantesten ist für Kijowska der Teil des Romans, in dem uns die Autorin "die letzten Tage von Königsberg" miterleben lässt. Eine kraftvolle Sprache, übrigens von Andreas Volk "sehr präzise übersetzt", und der Wechsel zwischen fantastischen und historischen Episoden lassen das Buch für die Kritikerin zu einer interessanten, poetischen Auseinandersetzung mit der Geschichte Ostpreußens werden. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.11.2025

Rezensent Jörg Plath stellt fest, dass den Deutschen in Ishbel Szatrawskas Roman um ein Bauernhaus in Masuren und seine Bewohner eine durchaus differenzierte Darstellung zukommt. Um das Bauernhaus als Erinnerungsort versammelt und ergründet die Autorin laut Plath mit Großmutter, Enkelin und allerhand anderen litauischen, polnischen, deutschen und russischen Figuren verschiedene Generationen und ihre Erinnerungen, Sichtweisen und Prägungen. Die Erzählweise charakterisiert Plath als filmisch pointiert. "Unwuchten" erkennt der Rezensent, wenn die Autorin einerseits im Breitwandformat berichtet, während andere Erfahrungen unterbelichtet bleiben. Der Realismus des Romans, der laut Plath feministische und postnationale Diskurse aufgreift, gefällt dem Rezensenten. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2025

Judith Leister empfiehlt Ishbel Szatrawaskas Roman über die verschiedenen Identitäten innerhalb einer polnischen Familie. Ausgelöst durch Tod und Hausverkauf werden Geschichten vom Zweiten Weltkrieg, von Gewalt, Wurzeln und Grenzen belebt, die bis an die polnische Gegenwart heranreichen, erläutert die Rezensentin. Fast eine Familiensaga, verbindet der Text Historisches und Probleme von heute, wie Russlands Krieg gegen den Westen, auf faszinierende Weise, meint Leister. Der Autorin gelinge ein frischer, vielgestaltiger Blick auf Geschichte und Gegenwart.

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