Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das nördliche Ostpreußen unter die Verwaltung der Sowjetunion gestellt. Auch Königsberg gehörte dazu. Es wurde mit einer sowjetischen Verwaltungs- und Verkehrsinfrastruktur versehen, bekam einen neuen Namen, Sowjetbürger wurden an- und die verbliebene deutsche Bevölkerung ausgesiedelt. Moskaus Kenntnisse von der neuen Region waren lückenhaft, und die Bevölkerung zweifelte an einer sowjetischen Zukunft Kaliningrads. Um die Normalität aufrechtzuerhalten und Kaliningrad auf Dauer zu einer sowjetischen Stadt zu machen, musste die Gebietsführung eine besondere Identitätspolitik entwickeln. Per Brodersen hat bislang unentdeckte Dokumente aus Kaliningrader und Moskauer Archiven ausgewertet und entwirft ein detailliertes Bild vom Selbstverständnis dieser ungewöhnlichen sowjetischen Stadt und ihrem schwierigen Verhältnis zu Moskau.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2009
Per Brodersens Studie über die 1945 eingeleitete Umwandlung Königsbergs in die neue Sowjetstadt Kaliningrad hat Dirk Klose überaus beeindruckt. Die Darstellung dieses für die Bevölkerung so mühseligen und schmerzlichen Prozess lobt er als höchst anschaulich und hebt die Einbeziehung von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen hervor, die allesamt darauf ausgerichtet waren, eine sowjetische Identität Kaliningrads zu schaffen. Deutlich wird für Klose auch, dass die Sowjets entgegen landläufigen Meinungen weder Pläne für eine Ausreise der Deutschen noch für den Wiederaufbau der völlig zerstörten Stadt hatten. Sein Fazit: "Gründlicher und umfassender ist die Entwicklung der Stadt noch nicht dargestellt worden."
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