Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Eva-Maria Düringer. In diesem nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegenden Klassiker der Philosophie des 20. Jahrhunderts offenbart Iris Murdoch die Unzulänglichkeiten der analytischen Moralphilosophie und fordert einen Richtungswechsel. Wir können Moral nicht verstehen, wenn wir uns rein auf naturwissenschaftliche und sprachphilosophische Methoden beschränken. In Auseinandersetzung mit Wittgenstein, Kant, Sartre, Weil oder Platon argumentiert Murdoch, dass die Moral nicht darin besteht, rationale Entscheidungen in einer wertneutralen Welt zu treffen. Stattdessen besteht sie in der Orientierung an der objektiven Idee des Guten, in der selbstlosen Zuwendung und der aufmerksamen Beobachtung der Wirklichkeit mit dem Ziel, ihr gerecht zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.08.2023
Klarsichtig und "elegant" ist dieses 1970 erstmals erschienene Buch von Iris Murdoch, lobt Rezensent Jens-Christian Rabe. Die Autorin widerspricht hier der "patriarchal-heroischen" Idee, die beispielsweise der Existenzialismus vertritt, die moralische Entscheidungen als unabhängigen Akt des menschlichen Individuums betrachtet, so Rabe. Stattdessen lenkt sie den Blick auf das große Ganze: Um die Grundlagen ethischer Entscheidungen zu verstehen, muss der Mensch erkennen, nach welchen moralischen Prinzipien seine Umwelt aufgebaut ist. Murdochs Stichwort heißt hier "Aufmerksamkeit", erklärt Rabe: das Bestreben, mit offenen und unvoreingenommen Blick die Welt zu betrachten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.08.2023
"Ein Augenöffner" ist der Essayband von Iris Murdoch, meint Rezensent Marko Martin. Die Philosophin setzt hier, anders als der Existenzialismus, wie Martin anmerkt, bei der Frage an, wer der Mensch ist, bevor er überhaupt eine Entscheidung getroffen hat. Ihre Antworten darauf bleiben allerdings etwas vage, da wird der Rezensent bei anderen Autoren besser bedient. Höchst interessant findet Martin allerdings Murdochs Ausführungen zur "Aufmerksamkeit". Aufmerksamkeit bedeutet für hier die Öffnung der menschlichen Perspektive und die Einsicht, dass es doch noch mehr gibt, als unsere bloße Existenz. Eine Wahrnehmungserweiterung, die die Autorin beispielsweise durch Rezeption großer Kunst gegeben sieht. Ein Glück, so der Kritiker, dass Murdoch hier, auch dank der hervorragenden Übersetzung und dem erhellenden Nachwort von Eva-Maria Dürer, auch als Philosophin Aufmerksamkeit erhält.
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