Alles, was wir anfangen, geht seinem Ende entgegen; vom Moment der Geburt an ist der Mensch Abschieden ausgesetzt. Ein souveräner Umgang mit dieser existenziellen Erfahrung kann uns helfen, Vergänglichkeit als Teil des Lebens anzuerkennen. Ina Schmidts Philosophie des Abschieds inspiriert zu einer ebenso wichtigen wie tröstlichen Gedankenarbeit. Die Autorin führt uns vor Augen, in wie vielfältigen, all täglichen ebenso wie außergewöhnlichen Zusammenhängen wir Abschied nehmen. Denn es sind ja nicht nur Menschen, von denen wir uns verabschieden, sondern auch Erwartungen und Empfindungen, Überzeugungen und Gewissheiten. Abschied zu nehmen heißt auch, sich der eigenen Verletzlichkeit und Sterblichkeit zu stellen. So schärft Schmidt unseren Blick für die Vielfalt von Vergänglichkeit und zeigt zugleich, dass wir in kleinen wie in großen Abschieden lernen können, dem Phänomen der Vergänglichkeit gestaltend und reflektierend zu begegnen. Das bedeutet nicht, dass Verluste automatisch leichter, Schmerz erträglicher oder Entscheidungen einfacher werden. Doch wenn wir den Abschied als kulturelle und individuelle Praxis begreifen, können wir lernen, das Ende zu akzeptieren.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.10.2019
Andrea Roedig lernt mit der Philosophin Ina Schmidt, den Tod als Teil und Bedingung des Lebens zu begreifen. Wie ein kluger Umgang mit der Vergänglichkeit aussehen könnte, vermittelt die Autorin Roedig mit Hinweisen auf die Sterbekunst des Mittelalters und auf philosophische Traditionen. Tröstlich wie schmerzlich findet Roedig Schmidts Vorschlag, sich aktiv gegenüber dem Sterben zu verhalten und auch die Sterbehilfe differenziert zu sehen. Schmidts Text scheint ihr eingängig, wenngleich er auf manchen Leser mitunter betulich wirken könnte, wie Roedig vermutet.
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