Aus dem Französischen von Lis Künzli. Die Erzählerin Laura sitzt im Krankenhaus am Bett ihrer Großmutter. Die Großmutter sieht ihrem Ende entgegen, da machen sich die beiden nichts vor. Auf sanfte und überraschende Weise verschworen, gehen die beiden diesen Weg gemeinsam.
Tag für Tag fährt Laura nach der Arbeit ins Krankenhaus, setzt sich an Großmutters Bett, geht ein paar Schritte mit ihr, liest ihr vor, hört ihr zu, wenn sie die wichtigen kleinen Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Ihr Leben lang hat sie gearbeitet, sich gefügt, bloss nicht lästigfallen, nichts aufrühren. Am Ende wird sie zu einer sanften Rebellin.
Wenn Großmutter schweigt, erzählt Laura von England. Sie wurde von ihrem Chef dahin geschickt, er hat was vor mit ihr. Sie hat Englisch gelernt und die Liebe ausprobiert. Fanny Wobmann erzählt von zwei Frauen, die sich in einer zwischen Leben und Tod schwebenden Zeit einander öffnen und an die wesentlichen Dinge rühren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.04.2018
So knapp wie hymnisch bespricht Rezensentin Beatrice Eichmann-Leutenegger den Debütroman der französischen Theaterschauspielerin und -regisseurin Fanny Wobmann, der ihr die "ergeifend zarte" Geschichte der jungen Laura erzählt, die ihre resolute Großmutter am Sterbebett besucht und begleitet. Allein mit welcher "Schlackenlosigkeit" und "sprachlichen Reduktion" Wobmann die vielfältigen Emotionen von Trauer, Wehmut, Wut und Ekel offenlegt, hat die Kritikerin zutiefst beeindruckt. Großartig auch, wie die Autorin die Vergangenheit der mental verwirrten Großmutter voller Gegenwart in den Text einbindet, lobt die Rezensentin, die auch Übersetzerin Lis Künzli Gespür für die Leichtigkeit der französischen Sprache attestiert.
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