Ilma Rakusa bewegt sich durch die unterschiedlichen Quartiere und "Zeiten" Berlins, zwischen den Erinnerungsstätten nationalsozialistischen Terrors und den Galerien, Kinos, Theatern und Cafés der Gegenwart, zwischen Schriftstellern aus Japan, dem Libanon und der Türkei und Bibliotheken, Hinterhöfen und Parks. Als Fellow des Wissenschaftskollegs weilt sie von Oktober 2010 bis Juli 2011 vor Ort und lernt, selber eine Autorin mit vielfältigsten Wurzeln und Sprachen, Künstler und Intellektuelle unterschiedlicher Herkunft kennen. Mit ihrer nervösen Prosa hält Ilma Rakusa die Wahrnehmungen dieser Tage fest: die Katastrophen, die die Nachrichten ihr zutragen (vom Giftschlammdesaster in Kolontár bis Fukushima), die sozialen Verwerfungen, mit denen sie auf Schritt und Tritt konfrontiert ist, die Kulturereignisse, die Lektüren, vor allem die zahllosen Begegnungen mit Kollegen und Kolleginnen wie Yoko Tawada, Elias Khoury, Carlo Ginzburg oder Liao Yiwu.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2013
Alexandra Stäheli zeigt sich sehr angetan von Ilma Rakusas Berlin-Journal. Sie ist der Autorin, die von zwischen Oktober 2010 und Juli 2011 als Stipendiatin Gast des Wissenschaftskollegs war, gern auf ihren Berlin-Spaziergängen gefolgt. Rakusas feine Beobachtungen der Brüche und Widersprüche der Stadt, ihre Begegnungen mit Fremden und Freunden haben sie sichtlich fasziniert. Besonders hebt sie die Empathie und Poesie der Beschreibungen hervor, die ein treffendes Bild des Gesehenen vermitteln, ohne es mit einer "abschließenden Deutung" zu fixieren. Das Fazit der Rezensentin: eine wunderbare Hommage an Berlin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2013
Björn Hayer kommt ins Schwärmen beim Lesen der Berlin-Notate von Ilma Rakusa. Besonders erscheint ihm der Blick der Kosmopolitin Rakusa auf die Stadt, auf Hochkultur und Straßenszene und Gulaschessen mit Peter Esterhazy. Poetisch scheinen ihm die Texte, aber auch gut in der Lage, die Rastlosigkeit und Dynamik der Stadt einzufangen, einer Weltstadt, wie Hayer beim Lesen erstaunt begreift. Wenn sich bei der Autorin zwischendurch Klischees einschleichen, findet er das verzeihlich.
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