Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999
Picassos "Guernica" nicht als politisch motivierte Anklage lesen zu wollen und es dann doch zu tun, so beschreibt Antje Weber Ginzburgs Untersuchung. Kern der Ginzburgschen These vom Nicht-Antifaschismus ist der Einfluss, den George Batailles in genau jener Zeit (1937) auf Picasso ausübte. Aufgrund von dessen ambivalenter Kritik am Faschismus habe der Maler bestimmte Veränderungen am Bild vorgenommen (das zur Pariser Weltausstellung für den Pavillon der Spanischen Republik in Auftrag gegeben war). Besonders die Glühbirne in der Sonne von "Guernica" entspreche, so Ginzburg, der Batailleschen Auffassung von der modernen Kunst als "verdorbene Sonne", die Entsetzen auslöse. So wie Weber es darstellt, ist "Guernica", mit und ohne Bataille, am Ende doch wieder Protest und Anklage gegen Gewalt und Krieg.
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