Ein Mädchen aus Vietnam kommt, ohne es zu wollen, von Ost- nach Westdeutschland, sie spricht die Sprache nicht, versucht zu fliehen, fährt - im Traum? - in die falsche Richtung und landet in Paris. Dort flüchtet sie ins Kino ... Sie lebt dort viele Jahre - ohne Visum, bei verschiedenen Frauen und Männern und vor allem im Cinema, in einem Dialog mit einer Schauspielerin ... während die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland fällt, die Grenzen zwischen den EG-Ländern verschwinden und ihr eigenes Leben sich immer enger mit den Filmhandlungen verknüpft. Die Beziehung von Bildern und Sprache ist ein wesentliches Thema dieser Erzählung, aber auch das Verhältnis verschiedener politischer Systeme, die Möglichkeit oder Unmöglichkeit körperlicher Beziehungen...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2004
Eine zwiespältige Kritik: Einerseits ist Karl-Heinz Ott ein Anhänger der Autorin, einer schon lange auf Deutsch schreibenden Japanerin, und bewundert die "sprachliche Ortlosigkeit" der sie einzigartig Ausdruck zu verleihen vermag; andererseits hält er ihre neue Erzählung für mehr oder weniger misslungen. Die Ich-Erzählerin, eine Vietnamesin, die in den 80ern in der DDR zu Gast ist, von einem westdeutschen Studenten nach Bochum entführt wird und schließlich in Paris - und vor allem: in seinen Kinos - landet, erzählt eine verwirrende, verrätselte Geschichte, die durch dreizehn Filme mit Catherine Deneuve zwar strukturiert, aber nicht verdeutlicht wird. Wie immer bei Tawada, schreibt Ott, fließen "inneres und äußeres Erleben, halluzinatorische und greifbare Welten" ineinander, und ihre "verlorenen Fremdlinge" sind wie immer "Spezialisten im Missverstehen". Allerdings, fügt er hinzu, wird der produktive Irrtum als Mittel zur Erhellung bei Tawada langsam zur Masche. Und auch sonst sei es hier ein wenig zu viel des Guten (Traumartige Erfahrung des Fremden, "wunderliche Beobachtungen") und des weniger Guten (Strukturlosigkeit, reihenweise Druckfehler). Fazit: Ein Buch, das halbfertig wirkt und eines besseren Lektorats bedurft hätte.
Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…