Ilka von Zeppelin

Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte

Eine Kindheit zwischen 1940 und 1948
Cover: Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmte
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783803131997
Taschenbuch, 160 Seiten, 17,50 EUR

Klappentext

Erlebnisse der Jahre 1940 bis 1948: der Krieg in Berlin und der scheinbare Friede in einem kleinen fränkischen Dorf, gesehen mit den Augen eines Kindes. Vieles kann das Mädchen nicht verstehen, aber es fühlt, daß etwas nicht stimmt. Wie kann man eine Welt verstehen, in der der Vater - überzeugter Soldat in Hitlers Armee - in Russland eingekesselt ist und gleichzeitig englische Flieger die Stadt bombardieren, wo doch der Führer alle beschützen will? Warum weigert sich der Großvater zuerst, die evakuierten "Nazikinder" in seiner Burg im Mittelfränkischen aufzunehmen? Warum empfängt er Besucher wie Hermann Göring und Robert Kempner, den stellvertretenden Chefankläger der Nürnberger Prozesse? Warum muss die Familie "Disziplin lernen" und hungern, obwohl die Burg voll von Kunstschätzen ist? Ilka von Zeppelin beschreibt aus dem Blickwinkel des zu Beginn vier- und am Ende zwölfjährigen Kindes die widersprüchlichen Erfahrungen der Nazizeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2006

Ilka von Zeppelins Bericht über ihre Kriegs- und Nachkriegskindheit ist Verena Auffermann sehr beeindruckt. Mehr als 60 Jahre hat Zeppelin, die 1940 vier Jahre alt war, mit der Niederschrift gewartet, die sie nun ausschließlich aus der Perspektive des Kindes und aus dessen Erfahrungshorizont heraus beschreibt, teilt die Rezensentin mit. Die Erzählperspektive ist durchaus ein Risiko, meint die Rezensentin, findet aber, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, "angenehm direkt" und ohne auf "Niedlichkeiten" zu verfallen, die dramatischen Erlebnisse dieser Kindheit zu beschreiben. Dabei vermeide Zeppelin auch jede "Sentimentalität", wobei die "nüchterne Intensität" der Sprache das Erschütternde der Ereignisse noch "verstärken" würde, so die Rezensentin eingenommen. Sie nennt diesen Bericht "beeindruckend gelungen".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005

Etwas zwiespältig findet Rezensentin Katharina Rutschky diese Erinnerungen Ilka von Zeppelins, Tochter eines Berufssoldaten und überzeugten Nationalsozialisten, der dem "Reichsbauernführer" Darree als Adjutant diente. Sie hebt hervor, dass die Autorin von den Schrecken ihrer Kriegskindheit ausgesprochen "nüchtern und kommentarlos" berichtet, über Nächte im Berliner "Kinderbunker" bei Bombenalarm allein im Alter von fünf Jahren etwa. Einerseits vermeide die Autorin mit ihrer "faktischen Erzählweise" die Sentimentalität vieler Kindheitserinnerungen ebenso wie den Erinnerungsoptimismus der Kriegskinder, die sich die Katastrophen zu Abenteuern umdeuteten, befindet Rutschky. Andererseits stehen die Affektlosigkeit und der Verzicht auf Kommentierung ihres Erachtens "in krassem Widerspruch zu den Realitäten".

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