George Tabori

Autodafe

Erinnerungen
Cover: Autodafe
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783803131744
Gebunden, 95 Seiten, 15,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ursula Grützmacher-Tabori. George Tabori erzählt eine Familiengeschichte besonderer Art. Wie jede ordentliche Familiengeschichte fängt sie mit der Geburt des Erzählers an. Und wie es sich ebenfalls gehört, treten zunächst Frauen in das Leben des kleinen George: die handfeste Großmutter Fanny, die beinfeste Alma von O. und vor allem die Mama, eine freundliche, stille Frau, mit der der Erzähler seine aussichtslose Leidenschaft für bejahende Frauen erklärt. Dann erst kommen Bruder Paul, ein Genie im Umgang mit Sprache.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.01.2003

Von einem Aufsatz und einigen Interviews abgesehen habe George Tabori bisher noch nie direkt aus seinem Leben erzählt, informiert Rezensent Peter Michalzik. Dass aber Leben und Werk eines Künstlers in der Regel selten zu trennen seien, treffe auch auf Tabori zu. Somit bergen die nun erschienenen Erinnerungen an seine Jugendzeit für den Kenner seiner Stücke keine Überraschungen, vermutet Michalzik. In ihnen lebe Taboris Familie weiter, was allerdings Wahrheit und was Erfindung sei, ließe sich nicht immer entscheiden, warnt der Rezensent. Auch in diesem Buch sei das vorrangige Thema die Liebe zu dem in Auschwitz ermordeten Vater. Tabori behandle es mit einer speziellen Variante des schwarzen Humors, die auf Michalzik fast sanftmütig wirkt. Auch für sich selbst habe Tabori in seinen Erinnerungen ein Leben erfunden, dass Michalzik durchaus würdig findet, von namhaften "schwedischen (und anderen) Akademien ausgezeichnet" zu werden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

In diesem "nicht mal 100-Seiten-Bändchen", schreibt Rolf Michaelis, ist vieles zu finden, "darüber nachzudenken" sich lohne. Es beginnt "mit der Geburt des Erzählers, endet mit dem Satz 'Ich war erwachsen geworden'", dazwischen liegen die Kindheit in Budapest und ein paar Berliner Szenen aus den dreißiger Jahren: Dennoch, schreibt Michaelis, ein "klein-großes Buch", von einem "traurig-witzigen" Mann geschrieben, der uns vorführt, was es heißt, lebenslang ein Fremder zu bleiben. Ein Lese- und Lehrbuch "voll lächelnder Melancholie", meint Michaelis, und findet, Tabori ist "ein Taschenspieler der Erzählkunst".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.11.2002

Die recht kurz ausgefallene Autobiographie des 88-jährigen George Tabori hat Thomas Kraft gelesen. Dabei fühlte sich der Rezensent durch die fehlende Länge des Buches irritiert, da er von der "lebenden Legende" erwartet hatte, sie würde den Klischees widersprechen. Stattdessen erzählt Tabori trotz des Schicksals seiner Familie mit "jener Heiterkeit und sanften Melancholie" und der "bekannten süffigen Schilderung" sowie den "selbstironischen Kommentaren", die für Kraft dieses Buch zwar zu einem Erlebnis machen, dem "bekannten Lebensbild" aber wenig Neues hinzufügen. Tabori sage statt dessen von sich, dass er sich als "Fremdling" fühle. Und drückt laut dem Rezensenten seine Grundhaltung damit aus, dass er Mahnmalen Wichtigkeit nur für die Lebenden zubilligt. Kraft konstatiert, dass Tabori in der Gegenwart lebt und arbeitet: "Darum versteht man auch, dass diese Memoiren, diese Berichte aus einer 'fremden' Welt, nicht umfangreicher ausfallen konnten."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2002

"Ein langes Leben; ein schmales Buch", kommentiert Lothar Müller die Erinnerungen von George Tabori. Der Autor hat sein Leben nicht vor dem Leser ausgebreitet, sondern konzentriert sich auf Anekdoten und "bleibt damit den Kleinformen des Erzählens treu", wie der Rezensent findet.. Auch der Titel, der mit Bücherverbrennung, Ketzerverbrennung oder Selbstverbrennung übersetzt werden kann, ist laut Müller ein Verweis sowohl auf das vergangene Jahrhundert als auch die darin geschehenen Vernichtungen, die der jüdische Autor selbst erlebt hat. Trotzdem ist für Müller "in diesem Buch kein Platz für Sentimentalität". Entsprechend lakonisch fällt auch die Beschreibung des Besuchs in der Gedenkstätte von Auschwitz aus, die der Rezensent zitiert. So nimmt Tabori einen Stein mit, der als Souvenir in den Augen Müllers "Auschwitz an die Seite des Eiffelturms" rückt.
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