Ian Kershaw

Achterbahn

Europa 1950 bis heute
Cover: Achterbahn
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2019
ISBN 9783421047342
Gebunden, 832 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. In seinem neuen Buch "Achterbahn" nimmt der Historiker die Jahre von 1950 bis heute in den Blick und spannt einen großen Bogen von der existentiellen Unsicherheit, die die Staaten Europas im Kalten Krieg durchlebten, bis zu den Herausforderungen, vor denen sie heute, in Zeiten ökonomischer und politischer Krisen stehen. Trotz einer bis heute andauernden Phase des Friedens, so Kershaw, sind die Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für Europa eine Achterbahnfahrt - voller Aufs und Abs, voller Nervenkitzel und Ängste. Und mit ungewissem Ausgang.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2019

Cord Aschenbrenner empfiehlt dringend die Lektüre von Ian Kershaws neuem Geschichtsbuch. Wie der Autor Analyse und Erzählung verbindet, scheint ihm bemerkenswert. Wenn Kershaw Gorbatschows Rolle im historischen Prozess erkundet oder die Folgen des Irakkriegs, ist Aschenbrenner genauso Ohr wie bei all den anderen Ereignissen, die der Autor anhand von Texten anderer Autoren über die jüngere Geschichte und mit eigener Gedankenschärfe angeht und chronologisch ordnet. Die so entstehende Geschichte Europas bis in die Gegenwart, düster und offen wie sie ist, ist für Aschenbrenner höchst lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2019

Äußerst bemerkenswert an "Achterbahn", dem zweiten Teil von Ian Kershaws Geschichte Europas seit 1900, findet der rezensierende Freiburger Historiker Ulrich Herbert, dass sich sein britischer Kollege nicht wie üblich auf die Zeit bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion oder bis zur Jahrtausendwende beschränkt, sondern die Entwicklung tatsächlich bis in die Gegenwart nachzeichnet. Die Kapitel über die jüngsten zwanzig Jahre liest Herbert daher mit besonderer Aufmerksamkeit und großem Gewinn. Drei gravierende Fehler des Westen macht Kershaw für die zahlreichen gegenwärtigen Krisen verantwortlich, fasst der Rezensent zusammen: den abschätzigen Umgang des Westens mit Russland in den 1990er Jahren, der Putins neoimperiale Politik zur Folge hatte, den "digitalen Turbokapitalismus", der zu absurdem Reichtum auf der einen und prekärer Beschäftigung auf der anderen Seite und nicht zuletzt zur Finanzkrise von 2008 führte, sowie den Irakkrieg in Folge von 9/11, der den Mittleren Osten destabiliserte, dem Dschihadismus Auftrieb gab und letztlich auch die Flüchtlingskrise einleitete. Bisweilen vermisst Herbert bei Kershaws erzählerischem Ton die Analyse kausaler Zusammenhänge, insgesamt aber, daran lässt der Rezensent keinen Zweifel, gibt es für das Verständnis der Gegenwart "derzeit kaum etwas Sinnvolleres als die Lektüre dieses klugen Buches".
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