Hermann Broch

Frauengeschichten

Die Briefe an Paul Federn. 1939-1949
Cover: Frauengeschichten
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418901
Gebunden, 215 Seiten, 22,80 EUR

Klappentext

Niemandem vertraute Hermann Broch mehr als Paul Federn, dem väterlichen Freund im amerikanischen Exil, einem der ältesten und loyalsten Schüler Sigmund Freuds. Brochs und Federns Korrespondenz begann Mitte 1939 mit dem Austausch über Themen wie Massenwahntheorie, Weltbürgertum und Verteidigung der Menschenrechte. Dann aber rückten die vielen Liebesverhältnisse, die Broch zeitweise parallel unterhielt, in den Mittelpunkt der Briefe: Es sind eher vertrauliche Mitteilungen an einen Freund als Bitten um psychologischen Rat. Brochs bis zur Schonungslosigkeit sich selbst gegenüber offene Briefe schildern diese Liebschaften mit ihren Auf- und Abschwüngen, ihren paradoxen, komischen und tragischen Verwicklungen. Sie werfen nicht nur ein besonderes Licht auf seine Frauenfiguren in Romanen, wie den Schlafwandlern und den Schuldlosen. An diesen "Frauengeschichten" entzünden sich vielmehr Brochs notorische Hauptprobleme, vor allem das Spannungsverhältnis zwischen Produktion und Sexualität, aber auch die Misere der eigenen Wirtschaftslage, die körperlichen und psychischen Implikationen des Alterns, die Hilfe für Emigranten und Freunde in Europa und die Angst, mit der eigenen Arbeit nicht fertig zu werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2007

Sichtlich amüsiert hat Rezensent Oliver Pfohlmann Hermann Brochs Briefe an seinen Analytiker Paul Federn gelesen, auch wenn er einräumt, dass sie eher von biografischem denn von literarischem Interesse sind. In den meisten Briefen analysiert sich Broch selbst, seine Neurosen, seine Träume und eben seine Frauengeschichten. Hin und her gerissen ist er dabei, wie Pfohlmann ein wenig mitleidlos schreibt, zwischen den "Ansprüchen seines Gewissens und seines Harems, seines Werkes und seines Triebes".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2007

Einen aufschlussreichen Blick auf die "persönlichsten Konfessionen" Hermann Brochs findet Peter Demetz in der nun vorliegenden Korrespondenz des Schriftstellers mit dem Psychoanalytiker Paul Federn aus den Jahren 1939 bis 1949. Beide kamen nach Angaben von Demetz aus gutbürgerlichen Wiener jüdischen Familien und lebten und arbeiteten während dieser Jahre im amerikanischen Exil. Fast ein wenig erstaunt hat ihn, wie wenig über den Krieg in Europa die Rede ist. Stattdessen berichte Broch ausführlich über seine großen Projekte, wie die Gründung eines Instituts zur Erforschung des Massenwahns, die er Federn zur Prüfung vorlegte. In die Berichte über Exil und Arbeit schleicht sich nach Auskunft von Demetz ein persönlicher Ton, der im Wunsch Brochs mündet, von seinem Freund Federn analysiert zu werden. Dabei hebt er hervor, dass sich der Schriftsteller als recht widerstrebender und eigensinniger Analysand erweist. Im Mittelpunkt dieser Briefe sieht Demetz die erotischen Verwicklungen des neurotischen Schriftstellers, unter denen er einerseits litt, die er aber zugleich auch suchte. Lobend äußert er sich über Paul Michael Lützelers Kommentare und Anmerkungen, die dem Leser ein zuverlässiges Bild über eine "bedeutende Epoche der deutschen Literaturgeschichte im Exil" vermitteln.
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