Hermann Broch war bereits Mitte Vierzig, als er 1930 den ersten Band seiner "Schlafwandler"-Romantrilogie veröffentlichte. In Wien lernte er 1928 Frank Thiess kennen, einen der erfolgreichsten Schriftsteller der Weimarer Republik. Dieser war fasziniert von "Pasenow oder die Romantik" und rezensierte ihn in der "Literarischen Welt" von Willy Haas. Es entwickelte sich eine Freundschaft, die sich in der Zwischenkriegszeit festigte und sich auch nach 1945 bewährte. Ihr langjähriger Briefwechsel spiegelt eine Zeit voller politischer und gesellschaftlicher Umstürze. Sie versuchen zwischen 1933 und 1938 einander zu helfen, diskutieren, was die Einschätzung des Nationalsozialismus betrifft, sind sich aber bald in der Ablehnung des NS einig. Broch musste nach dem "Anschluss" Österreichs wegen seiner jüdischen Herkunft in die USA flüchten, wohingegen Thiess meinte, Deutschland nicht verlassen zu können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.09.2019
Wilhelm von Sternburg liest den von Paul Michael Lützeler herausgegebenen Briefwechsel zwischen Hermann Broch und Frank Thiess mit Gewinn. Die beiden so verschiedenen Schreiber, hier der deutschtümelnde Romancier, dort der jüdische Jahrhundertschriftsteller, lernt er als lebhafte, teils hochmütige Diskutanten der Zeitläufe und ihrer eigenen Arbeiten kennen. Die Kommentare des Herausgebers künden laut Sternburg kenntnisreich von den Biografien und Werken der Briefpartner und, im Fall von Thiess, auch von ihren politischen Irrungen.
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