Sigmund Freud hat von sich gesagt, er habe ein "Conquistadorentemperament". Damit meinte er, dass er seinem Naturell nach eher ein Entdecker neuer Welten als ein solider Wissenschaftler sei. Aber der Wagemut seines theoretischen Werks zeigt, dass sich beides sehr wohl miteinander verbinden lässt. Viele der vermeintlich kontemplativen Köpfe des zwanzigsten Jahrhunderts haben eine außerordentliche intellektuelle und praktische Energie aufwenden müssen, um sich gegen die mächtigen Ideologien ihrer Zeit zu behaupten. Aus dieser Herausforderung ist eine einzigartige Pluralität des Denkens entstanden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2008
Recht eingenommen zeigt sich Rezensent Martin Meyer für Henning Ritters Porträts von zwölf Denkern des 20. Jahrhunderts wie Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin, Aby Warburg und Carl Schmitt. Er attestiert dem Autor ein kluges Verständnis des Zusammenhangs von Biografie und Texten. Bei den Porträts handelt es sich zu seiner Freude nicht um lehrbuchartige Rekapitulationen der Kernthesen der jeweiligen Denker, sondern um Hinweise und Erläuterungen aus deren Biografien, die die bekannten Lehren "spannungsreich" erhellen. In dieser Hinsicht scheint ihm Ritter ein wahrer Meister, kennt Meyer doch nur wenige Interpreten, die "so souverän, genau und mit dichten Argumenten zum Kern einer Persönlichkeit vordringen".
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