Helmut Kury

Im Gehirn des Bösen

Die spektakulärsten Fälle eines Gerichtsgutachters
Cover: Im Gehirn des Bösen
Piper Verlag, München 2014
ISBN 9783492056199
Broschiert, 304 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Helmut Kurys Expertise ist gefragt, wenn es darum geht, ob Menschen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen, ob sie "weggesperrt" werden oder wieder frei sein können. Hier berichtet er über seine spektakulärsten Fälle - und wie er zu seinen Einschätzungen kommt. Thomas' Mörder kam, als die Eltern auf einem Bowlingabend waren. Er stieg in das Haus ein und erstach den Zehnjährigen in seinem Bett. Ohne Anlass, der Junge war ein zufälliges Opfer. Kann so jemand, nach Verbüßung einer mehrjährigen Haft, wieder freigelassen werden, oder müssen wir damit rechnen, dass er wieder mordet? Das muss Professor Kury entscheiden, der in diesem wie in vielen anderen dramatischen Fällen als Gutachter auftritt. Er muss herauszufinden versuchen, was diese Menschen zu ihren Taten bewegt. Sind es Menschen, die durch eine einzelne Begebenheit aus der Bahn geworfen wurden, oder gingen sie gezielt und planvoll vor oder aber handelten sie ohne jeden erkennbaren Anlass? Und was bedeutet das für die Wiederholungsgefahr? Kury schildert die Fälle und wie er sie eingeschätzt hat. Und er stellt Fragen: Sind Strafen sinnvoll? Welche Strafen? Und wer schützt Menschen, die in die Mühlen der Psychiatrie gerieten, davor, dass sie für immer weggesperrt werden? Aber auch: Wer bewahrt uns vor falschen Gutachten und deren - möglicherweise - tödlichen Folgen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2014

An Helmut Kurys neuem Buch "Im Gehirn des Bösen" hat Rezensentin Karin Truscheit einiges auszusetzen. Zunächst missfällt der Kritikerin der Titel des Buches, der den Leser auf eine falsche Fährte führe. Denn Truscheit erfährt hier nicht, warum Täter vergewaltigen, morden oder sonstige Verbrechen begehen, sondern liest vielmehr einen Überblick einiger Fälle, die der Kriminologe und emeritierte Professor für forensische Psychologie in seiner Laufbahn erlebt hat. Dabei versuche Kury häufig vergeblich, Tat und Mörderbiografie auszutauschen, um die Täter nicht kenntlich zu machen. Darüber hinaus erscheint der Rezensentin Kurys Erklärung, dass Täter meist aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen, zu einseitig. Überhaupt liest Truscheit hier die ein oder andere Binsenweisheit, etwa dass Kriminalität nun mal zur Gesellschaft gehöre. Auch die interessanten Einblicke in die Arbeit eines psychologischen Gutachters - etwa über den Entscheidungsprozess inwieweit ein Täter noch als "gefährlich" einzustufen sei - empfindet die Rezensentin auf Dauer durch häufige Wiederholungen zu "langatmig". Neben den zahlreichen Widersprüchen, die dieses Buch aufweist, stört die Kritikerin insbesondere Kurys starke Täterzentrierung, die im Hinblick auf die Schwere der Taten nicht immer ganz nachzuvollziehen sei.