Es ist kalt in Ostberlin, als Marlene Dietrich im Januar 1964 für einen Zwischenstopp in ihrer früheren Heimatstadt landet. Mit Deutschland hat sie gebrochen und möchte so schnell wie möglich nach Warschau weiterreisen. Doch in Westberlin warten zwei Männer auf sie: Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt und sein Sprecher Egon Bahr wollen sie bei der Wahl des Bundespräsidenten gegen den Alt-Nazi Heinrich Lübke antreten lassen. Was, wenn es so passiert wäre?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.10.2025
Eine schöne historische Fantasie haben Heinz Bude, Bettina Munk und Karin Wieland laut Rezensent Claudius Seidl verfasst. Die drei Autoren imaginieren eine Episode in den 1960ern, in der Willy Brandt den Versuch unternimmt, Marlene Dietrich zu einer Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin zu überreden. Seidl fühlt sich an atmosphärisch-karges schwarz-weiß-Kino erinnert, der Roman wird durchweht von Melancholie, die daher rührt, so Seidl, dass Marlene ihre besten Tage als Schauspielstar hinter sich hat und der ehemalige Widerständler Brandt sich in Westdeutschland nach wie vor nicht ganz heimisch fühlt. Seidl betont, dass es sich hier ziemlich sicher um eine kontrafaktische Fantasie handelt - die allerdings in einen schönen Roman übersetzt wurde, wie er findet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.09.2025
Mit Freude liest Rezensentin Elke Schlinsog dieses Gedankenspiel von Künstlerin Bettina Munk, Politikwissenschaftlerin Karin Wieland und Soziologe Heinz Bude: Marlene Dietrich hat 1964 einen Zwischenstopp auf dem Ostberliner Flughafen eingelegt, so weit stimmt das Buch mit den Fakten überein. Was sich das Trio nun dazu ausgedacht, ist, dass Marlene Dietrich von Willy Brandt und seinem Sprecher Egon Bahr dazu überredet wird, bei der Wahl zum Bundespräsidenten gegen den Alt-Nazi Heinrich Lübke anzutreten, erfahren wir. Schlinsog freut sich nicht nur über diese fantasievollen Einfälle, sondern auch über eine Menge interessanter Einblicke in die Geschichte Ostberlins, Brandts und Lübkes Verstrickungen in den Nationalsozialismus. Spannend und feinsinnig, findet sie.
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