Die Schrift des Jenenser Historikers Heinrich Luden über seine Erlebnisse in den Tagen der Schlacht von Jena und Johanna Schopenhauers Brief an ihren Sohn Arthur, geschrieben während der Plünderung Weimars durch französische Truppen unmittelbar nach der Schlacht, erzählen die Ereignisse nicht aus der Sicht der Politiker und Militärs, sondern aus der Sicht der am Kriegsgeschehen leidenden Zivilbevölkerung. Das Ehepaar Luden geriet auf dem Wege von Celle nach Jena mit einer Mietkutsche zwischen die feindlichen Linien, und Johanna Schopenhauer, die gerade kurz zuvor in Weimar eine Wohnung bezogen hatte, erlebte nicht nur den Anblick von Toten und Verwundeten der geschlagenen preußischen Armee, sondern auch den Siegesrausch der "du pain, du vin, vite" fordernden französischen Soldateska. Die beiden Texte sind bemerkenswert, weil sie zeigen, dass der Krieg damals noch auf der strikten Trennung von "Kombattanten" und "Nichtkombattanten" beruhte, dass er also kein "Volkskrieg" im heutigen Sinne war und dass es daher auch die Vorstellung vom französischen "Erbfeind" noch nicht gab, dass die Bevölkerung zwar Opfer vielfältiger Bedrängnisse werden konnte, dass man aber zugleich mit französischen Offizieren im Wirtshaus sitzen konnte und dass die französischen Soldaten "Bon jour" riefen, als Ludens Mietkutsche vorbeifuhr.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2007
In einer knappen Kritik zeigt sich Rezensent Alexander Kosenina von den beiden in einem Band vereinten Augenzeugenberichten über die Schlacht von Jena und Plünderung Weimars beeindruckt und erschüttert. Die Beschreibungen der Mutter von Arthur Schopenhauer, Johanna Schopenhauer, und des Geschichtsprofessor Heinrich Luden werfen ein beklemmendes Schlaglicht auf die Schrecken des Krieges und die Leiden sowohl der Zivilbevölkerung als auch der bewaffneten Truppen, schreibt der Rezensent, der auch den Kommentar dieses Buches vortrefflich findet.
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