Klappentext

1710 - 1810 - 1910: Mit der Gründung der Akademie im damals noch kleinen, in Sumpf und Sand gebauten Berlin wollte der Kurfürst von Brandenburg, der spätere "König in Preußen", sich auch als Mann von Welt zeigen. Die Akademie erhielt zwar 1710 durch ihren ersten Präsidenten Leibniz eine Satzung, führte aber ein Schattendasein. Die Friedrich-Wilhelms-Universität wurde 1810 ins Leben gerufen, in einer Zeit größter Demütigung nach der Niederlage gegen Napoleon, als man die preußische Hochschullandschaft neu ordnete, aber kaum über Geld mittel verfügte. Die Gründung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (seit 1948 Max-Planck-Gesellschaft) anlässlich des hundertjährigen Universitätsjubiläums markiert den Höhepunkt der Weltgeltung Berlins nun auch in den Naturwissenschaften, was sich an den zahlreichen Nobelpreisen zeigen sollte, die in den folgenden Jahren an Berliner Forscher vergeben wurden. Niedergang und Stagnation von Wissenschaft und Forschung scheinen nach der NS-Diktatur, der Teilung Berlins und den Geburtswehen des neuen Hauptstadtdaseins nunmehr beendet zu sein. Das Buch beleuchtet den Aufstieg der preußisch-deutschen Metropole als Wissenschaftsstandort am Beispiel der bedeutenden Persönlichkeiten, die das gelehrte Leben hier geprägt haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2010

Mit Interesse hat Thomas de Padova diese Berliner Wissenschaftsgeschichte gelesen, auch wenn er sie eher als informativ denn inspirierend beschreibt. In nüchternen Kurzporträts beschreibt Michael Erbe, wie sich das eigentlich fast immer arme Berlin zur Wissenschaftsstadt mausert, angefangen mit dem ersten Pestlazarett auf dem Gelände der heutigen Charite und natürlich der von Leibniz gegründeten Akademie der Wissenschaften 1710 (bis zur ersten Universität sollte es trotzdem noch hundert Jahre dauern, akademisches Zentrum in Preußen sollte eigentlich Halle werden). Im Großen und Ganzen scheint Padova einverstanden mit der Darstellung, aber zweifelhaft findet er, wenn Erbe an die "große Tradition der Zeit um 1900" anknüpfen will - denn trotz großer Wissenschaftler sei im Kaiserreich die Hochschulpolitik ziemlich rigide gewesen, und für die Weimarer Republik hätte sich kaum jemand eingesetzt. Einstein war die Ausnahme, die kaisertreuen Max Planck oder Fritz Haber waren die Regel.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de