Philipp Demandt

Luisenkult

Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen
Cover: Luisenkult
Böhlau Verlag, Köln 2003
ISBN 9783412074036
Gebunden, 559 Seiten, 36,90 EUR

Klappentext

Königin Luise von Preußen (1776-1810) galt lange als bedeutendste Frau der deutschen Geschichte. Zeit ihres Lebens für ihre Schönheit und Volkstümlichkeit bewundert, schließlich zur Todfeindin Napoleons und Symbolfigur des nationalen Widerstandes stilisiert, wurde sie nach ihrem frühen Tod wie eine Heilige verehrt, die den Kampf um die Einheit der Deutschen begonnen hatte. Als ihr zweiter Sohn Wilhelm 1871 als deutscher Kaiser aus dem Krieg gegen Frankreich zurückkehrte, wurde ihr Leben zum Gründungsmythos des Deutschen Reiches. Über zwei Jahrhunderte ging eine immense Wirkung von Königin Luise aus. Ihre Tugenden, ihr Durchhaltewillen und ihre Vaterlandsliebe galten als vorbildlich. Philipp Demandt verfolgt die Glorifizierung dieser Frau durch Kunst und Literatur, von der Kindererziehung bis zur Kriegspropaganda, von der napoleonischen Ära bis in die Nazizeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.02.2004

Michael Thimann ist beeindruckt von Philipp Demandts umfassender Arbeit über das Leben und vor allem das Nachleben der mythenumrankten Königin Luise von Preußen. Als diese 1810 im Alter von 34 Jahren starb, löste dies einen nationalen Schock auslöste, der nicht nur in das Geistesleben der Zeit, sondern auch in das politische Leben hineinragte. Beispielsweise wurde damals davon ausgegangen, dass sie aufgrund der Niederlage gegenüber Napoleon an einem gebrochenen Herzen gestorben war und dass erst ihr Sohn Wilhelm durch seinen Frankreichfeldzug diese Niederlage rächen konnte. Auch wenn Luise zu Lebzeiten - zumindest im politischen Leben - keine große Rolle spielte, war ihre symbolische Funktion kaum zu unterschätzen: "Parareligiöse Züge der Verehrung" macht Demandt hier aus. Dieser Aspekt wird in den Schilderungen des Autors recht lebendig, er schafft es "zweifellos, die großen historischen Bögen in einer Reihe von Miniaturen anschaulich zu machen" und dabei noch eine "Mentalitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts" zu schreiben, lobt der Rezensent.

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