Heike Geißler

Arbeiten

Cover: Arbeiten
Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN 9783446279773
Gebunden, 128 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Was ist ein Mensch wert? Wie ermessen sich Nutzen und Kosten einer Person? Heike Geißler denkt über den Sinn der Arbeit nach, über ihre Allgegenwärtigkeit, über materielle und unsichtbare Arbeit, über Geben und Nehmen, Gewinner und Verlierer. Der Arbeit auf der Spur, beobachtet sie ihr Umfeld und kommt mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch: mit den Handwerkern, die in ihrer Wohnung die Fenster ersetzen, dem Lieferboten, einer chronisch kranken Freundin und mit ihren eigenen Eltern. Bald verdichten sich ihre Beobachtungen zu einem Panoptikum modernen Arbeitens, das die tiefen Gräben zwischen Überleben und Wachstum aufzeigt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.05.2025

Ein paar Probleme hat Rezensentin Yi Ling Pan schon mit Heike Geißlers Buch über Arbeit, insgesamt jedoch beschreibt sie die Lektüre als inspirierend. Geißler legt keinen klar strukturierten Essay vor, sondern sie reiht zur anfänglichen Irritation der Rezensentin lose Gedanken und Beobachtungen aneinander, die sich allerdings bald zu einem Fluss fügen. Um Neutralität ist Geißler keineswegs bemüht, erfahren wir, vielmehr schreibt sie gegen den entfremdeten Arbeitsbegriff an und blickt dafür auf Menschen in ihrem Umfeld, auch auf ihre Eltern, die in der DDR gearbeitet hatten und nach der Wiedervereinigung schlechte Erfahrungen mit der gesamtdeutschen Arbeitsrealität machten. Geißler zitiert vor allem Autorinnen, um ihre Ausführungen mit Belegen zu unterfüttern, beschreibt die Rezensentin, die sich nicht ganz sicher ist, ob der Arbeitsbegriff Geißlers, der auf eine Gleichsetzung von Arbeit und kapitalistischem System hinausläuft, wirklich der beste ist. Ginge es, fragt Yi Ling Pan, nicht eher darum, einen anderen, auf Hilfsbereitschaft und Ähnlichem basierenden Begriff von Arbeit dem entfremdeten der Gegenwart entgegenzusetzen? Dennoch bietet dieses Buch, so das Fazit, einen willkommenen Anlass, sich nach Möglichkeiten des Widerstands gegen das derzeitige Arbeitsregime umzusehen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.05.2025

Heike Geißler hat einen Essay über und auch ein bisschen gegen die Arbeit geschrieben, konstatiert Rezensent Jakob Hayner, der im Text  ein gewaltiges Unbehagen in der Arbeitswelt vernimmt. Geißler war selbst mal Saisonarbeiterin bei Amazon, erfahren wir, und ist im Arbeiter- und Bauernstaat aufgewachsen, der auch ihren Vater, den Stahlarbeiter, enttäuschte, der nach 1990 seinen Arbeitsplatz verlor. Die Autorin verwebt persönliche und analytische  Sequenzen, Artikel von Dietmar Dath und Klagen über die mangelnde  Repräsentation der Arbeiterschaft auch mit Überlegungen, welche Art von Arbeit Kunstschaffen eigentlich ist. Der Verzweiflung über die aktuelle Welt- und Arbeitssituation möchte Geißler mit Tatendrang  begegnen, heißt es, für Hayner abschließend die "romantische  Unterströmung einer postmarxistischen Empfindsamkeitsessayistik."

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.04.2025

Eine wundervolle Leseerfahrung hat Heike Geißler Rezensentin Susanne Billig beschert. Dieses schmale Buch über die Arbeit denkt gleichzeitig direkt und vermittelt über seinen Gegenstand nach, freut sich Billig. Unter anderem, lernen wir, kommen Handwerker und Paketboten vor, die von Geißler beobachtet werden, wobei die soziale Differenz, die dabei im Spiel ist, nicht negiert wird, außerdem geht es um die Arbeitsbiografien der Eltern der Autorin, erst in der DDR, dann im wiedervereinigten Deutschland. Geschickt auch, wie die Autorin ihre eigene Schreibarbeit reflektiert und als eine spezifische, sich gewissen Leistungsanforderungen entziehende Haltung zur Welt beschreibt. Nicht zu schnell lesen sollte man dieses Buch, empfiehlt die begeisterte Rezensentin, damit sich die Schönheit dieser Gedanken voll entfaltet.

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