Die dreiundsiebzigjährige Roberta hat alles verloren. Man hat ihr den Hund genommen und sie in ein Altenheim gesteckt. Doch sie wehrt sich und flieht aus der Schweiz. Sie befreit ihren Hund und macht sich auf den Weg nach Österreich. Sie will nach Jahren der Fremdheit in den Ort ihrer Kindheit zurückkehren, um ihr Leben noch einmal selbst zu bestimmen. Auch die fünfzehnjährige Türkin Ayfer entzieht sich - ihren Eltern, die sie in die Türkei verbannt haben und den religiösen Vorstellungen ihres Onkels, in dessen Hotel am Schwarzen Meer sie arbeiten muss. Sie will zurück in die Schweiz, um das Leben zu führen, von dem sie träumt. Hansjörg Schertenleib erzählt von zwei mutigen Frauen, die ihr Schicksal in die Hand nehmen - und damit Grenzen überwinden, die das Leben ihnen gesetzt hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2012
Sibylle Saxer gibt sich sichtlich Mühe, diesen Roman zu mögen und uns seine Vorteile zu vermitteln. Schwierigkeiten macht ihr zunächst das Bild der beiden Frauen, einer Rentnerin, die aus einem Altersheim ausbricht, und einer 16-jährigen Schweizerin mit Migrationshintergrund, das Hansjörg Schertenleib in diesem Roman zeichnet. Sympathisch sind sie ihr nur anfänglich in ihrem Freiheitsdrang, dann erfährt Saxer nach und nach, wie skrupellos beide dabei vorgehen. Allerdings zeichnet der Autor seine Figuren mit ausreichend Einfühlungsvermögen, um die Rezensentin weiterhin für sie zu interessieren. Kunstvoll und das Buch über die reine Unterhaltung hinaus hebend findet Saxer nun, wie Schertenleib beide Lebenswege sich kreuzen lässt, die Geschichte so an einer Spiegelachse ausrichtet und Resonanzräume zwischen zwei einander völlig fremden Personen schafft. Laut Saxer bringt das zusätzlich zur melancholischen Stimmung des Buches etwas Tröstliches ins Spiel, die Figuren, erklärt sie, gehen allerdings bald wieder getrennte Wege.
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