Im ersten Teil dieser Studie erarbeitet die Autorin in Auseinandersetzung mit der Ethnopsychoanalyse von T. Nathan, der Semiotik von Ch. S. Peirce und der Psychoanalyse von W. R. Bion einen eigenen theoretischen Ansatz für ihre therapeutische Arbeit mit Migrantinnen aus der Türkei. Im zweiten Teil werden abgebrochene und gelungene Therapieverläufe nachgezeichnet und mit Hilfe des von ihr ausgearbeiteten Theorieansatzes zu verstehen gesucht. Einfühlsam schildert die Autorin die Welt von Frauen, die sich in neuen Außenwelten zurechtfinden müssen, und die Konflikte mit den kulturellen Anforderungen, vor allem den traditionellen Festlegungen von Geschlechterrollen, denen sie ausgesetzt werden. Um die soziale Stellung der Analysandinnen in ihre Behandlungsstrategien einbeziehen zu können, entwickelt die Autorin den Begriff einer strukturellen, materiellen Kultur, den sie von der symbolischen abgrenzt...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2004
Die Psychoanalytikern und Ethnologlin Vera Saller hat es vor allem mit türkischen Migrantinnen zu tun - deren Probleme beschreibt sie in diesem Band. Sehr "erhellend" findet der Rezensent (Kürzel "my") die Einblicke, die hier in interkulturelle Verwicklungen zu gewinnen sind. Vor allem gelinge es der Autorin, Skepsis gegen "deterministische und funktionalistische" Ansätze deutlich werden zu lassen, ohne die Psychoanalyse als Generalschlüssel zum Verständnis misszuverstehen. Möglich würden so spannende "Perspektivenwechsel" - und nicht zuletzt der Außenblick auf die westlich geprägten "gesellschaftstheoretischen, soziologischen und ethnologischen Theorien".
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