Ziel des Buches ist es, eine breite historische Analyse dessen anzubieten, was die deutsche Rechtskultur herkömmlich als Positivismuslegende bezeichnet hat - eine irreführende Wahrnehmung ihrer jüngeren Geschichte, die den Rechtspositivismus im Allgemeinen und Hans Kelsens Reine Rechtslehre im Besonderen in einem rechtstheoretischen Ansatz für den Niedergang der demokratischen Institutionen in der Weimarer Republik und die Legitimation der NS-Diktatur verantwortlich machte. Das Werk ist in drei Kapitel unterteilt, die nacheinander der Entstehung, Überwindung und Widerlegung der Positivismuslegende gewidmet sind, sowie in einen Epilog, der versucht, die enge Verbindung zwischen Rechtspositivismus und liberaler Demokratie aufzuzeigen. Darüber hinaus enthält das Buch auch eine Originalstudie über die Einführung der Legende des Positivismus in Brasilien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2025
Interessiert liest Rezensent Andreas Wirsching Rodrigo Borges Valadãos Buch über Rechtspositivismus und die Kritik an ihm zu Zeiten der Weimarer Republik. Der Autor zeichnet Wirsching zufolge nach, dass der viel gescholtene, auf inhaltsblinde Verfahrenstreue setzende Rechtspositivismus unter den Anhängern des Nationalsozialismus gerade keine Verfechter fand. Vielmehr waren, so Wirsching mit Valadão, die republikanischen Juristen Rechtspositivisten, während die NS-Juristerei das positive Recht durch ein völkisches ersetzen wollte. Wirsching legt freilich Wert auf die Feststellung, dass man solche Frontstellungen keineswegs auf die Gegenwart übertragen kann - etwa auf die Frage, ob auch den Feinden der Demokratie positive Rechte zugestanden werden sollten.
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