8 CDs mit 620 Minuten Laufzeit. Wenige Stunden bevor Margot Bendheim mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder vor der nationalsozialistischen Bedrohung aus Berlin fliehen will, wird Ralph von der Gestapo aufgegriffen. Die Mutter folgt ihrem Sohn auf die Polizeiwache und hinterlässt für Margot die Nachricht "Versuche, dein Leben zu machen". Die 21-Jährige ist zum ersten Mal auf sich allein gestellt. Es gelingt ihr, unter abenteuerlichen Umständen fünfzehn Monate lang der Verhaftung durch die Gestapo zu entgehen. Ende April 1944 wird Margot bei einer Ausweiskontrolle festgenommen und ins Lager Theresienstadt deportiert. Sie überlebt und emigriert nach Kriegsende mit ihrem Mann Adolf Friedlander, den sie noch in Theresienstadt geheiratet hat, in die USA. Erst Jahre später erfährt sie, dass ihre Familie in Auschwitz ermordet wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2016
Felix Simon findet es richtig, dass Margot Friedlander ihre bereits als Buch erschienene Lebensgeschichte selbst für die Hörbuchfassung eingelesen hat. So bleibt etwas von ihrer Person erhalten. Auf die Perfektion einer Schauspielerlesung verzichtet der Rezensent in diesem Fall gerne. Etwas von der andauernden Präsenz, die das Leben im Untergrund, versteckt vor den Nazis, Verhaftung und Lagerleben für die 94-jährige Friedlander hat, wird dem Hörer so laut Simon vermittelt. Lebendig wird das Dokument für ihn gerade durch die nüchterne, unprätenziöse Darstellung und die warme, weiche Stimme der Sprecherin, die noch die schlimmsten Erlebnisse ungeschönt und sachlich fasst, wie der Rezensent bewundernd feststellt.
Die dreiundneunzigjährige Holocaust-Überlebende Margot Friedlander erzählt seit einigen Jahren an Schulen ihre Geschichte, ein Preis für Erinnerungsarbeit ist mittlerweile nach ihr benannt, erzählt Rezensent Alexander Cammann. Jetzt kann man sich vim Hörbuch "Versuche, dein Leben zu machen" Friedlanders Geschichte anhören, berichtet der Rezensent, von der monatelangen Flucht vor der Gestapo, von ihrer Verhaftung, von Theresienstadt, fasst Cammann zusammen, der diesen Versuch lobt, die Stimmen der Opfer hörbar zu machen.
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