Hanne Lenz, Hermann Lenz

"Das Innere wird durch die äußeren Umstände nicht berührt"

Hanne Trautwein - Hermann Lenz. Der Briefwechsel 1937-1946
Cover: "Das Innere wird durch die äußeren Umstände nicht berührt"
Insel Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783458177722
Broschiert, 1074 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Michael Schwindtal. Hanne Trautwein und Hermann Lenz lernten sich, beide Anfang zwanzig, 1937 im Kunsthistorischen Institut der Universität München kennen: er angehender Schriftsteller, sie Studentin der Kunstgeschichte, Halbjüdin. Sie schrieben sich zunächst in den Semesterferien, dann regelmäßig, als Hermann Lenz einberufen wurde und bis zum Ende des Krieges Soldat in der Wehrmacht blieb. Er, der sich fest vorgenommen hatte, im Krieg keinen Menschen zu erschießen, war in vorderster Front im Russlandfeldzug mit dabei. Hanne Trautwein entging der Verfolgung dank einer Anstellung als Sachverständige für Beutekunst bei einem einflussreichen Kunsthändler. Sie ermöglichen einander das Überleben, indem sie in utopischen Daseinsentwürfen sich eine Gegenwelt entwerfen zu den realen Schrecknissen um sie herum. Der Briefwechsel wird bis 1946 geführt, als Hermann Lenz aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, Hanne Trautwein zu ihm nach Stuttgart zieht und die beiden heiraten. Die hier erstmals veröffentlichten 577 Briefe und Karten, die Hanne und Hermann Lenz ausgetauscht haben, sind nicht nur ein bedeutendes zeithistorisches Dokument, sondern zeigen auch in ganz besonderer Weise die Wirkungskraft der Dichtung. Die deutsche Literatur kennt aus dieser dramatischen Zeit an Zeugnissen einer deutsch-jüdischen Verbindung nichts Vergleichbares.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.02.2019

Rainer Moritz liest den umfangreichen Briefwechsel zwischen Hanne Trautwein und Hermann Lenz aus den Jahren 1937-1946 mit viel Sympathie für das Schicksal der beiden Liebenden, das sich in den Briefen offenbart. Ob Lenz von Front und vom Soldatenalltag schreibt und Trautwein zu beruhigen versucht, beide das Nazipack verabscheuen oder über Kinobesuche und Natur schreiben - stets bewundert Moritz den hohen literarischen Ton der Briefpartner, eine differenzierte Wahrnehmung und Detailtreue. Den Kommentar des Herausgebers Michael Schwidtal findet Moritz ergiebig auch im Hinblick auf das autobiografische Werk von Hermann Lenz. Als Hardcover-Ausgabe hätte die Edition Moritz noch mehr beeindruckt.