Hannah Arendt

Der Liebesbegriff bei Augustin

Versuch einer philosophischen Interpretation
Philo Verlag, Berlin - Wien 2003
ISBN 9783825703431
Kartoniert, 134 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Vorwort von Ludger Lütkehaus. Der Liebesbegriff bei Augustin, diese Dissertation einer 23-jährigen Jüdin über eine Hauptfigur der christlichen Kirche, löste gleich bei ihrem Erscheinen im Jahre 1929 einen kleinen Skandal aus. Die Doktorandin hatte, darin waren sich die Rezensenten der wichtigsten Organe im akademischen Milieu jener Zeit einig, gleich mehrfach gesündigt. Zum einen, indem sie den Theologen Augustinus außer acht gelassen hatte, und zum anderen, indem sie die theologischen Wortführer ihrer Zeit überging, die Augustinus für sich reklamierten. Was ihre ersten Kritiker indessen verkannten, erscheint aus heutiger Sicht gerade als die Qualität dieser frühen Arbeit: Ihre Doktorarbeit verstand sich nicht als theologische, sondern von vornherein als existentialistische Arbeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2004

Dieses philosophische Erstlingswerk Hannah Arendts, ihre mit 22 Jahren verfasste und bei Karl Jaspers verteidigte Dissertation, ist bisher weitestgehend unbeachtet geblieben. Kein Wunder, stellt doch dieser Band die erste Wiederveröffentlichung seit 1929 dar. Und er ist, darin gibt der " upj." zeichnende Rezensent dem "kundigen" Verfasser des Vorworts, Ludger Lütkehaus auch gegen das spätere, eher abfällige Urteil der Autorin durchaus Recht, eine Entdeckung. Die "existenzialphilosophische" Auslegung des Kirchenvaters Augustinus erweise sich als originell und vor allem in der Erarbeitung des Konzepts der "Natalität" auch als wegweisend für das spätere Werk der Philosophin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2004

Auch wenn es sicher ungerecht wäre, meint Henning Ritter, diese wiederaufgelegte Dissertation Hannah Arendts von 1929 in die Rubrik "populäre Lesestoffe" einzureihen, so würden, lobt er, die Leser, die ein Interesse an den Anfängen Hannah Arendts hätten, hier doch auf ihre Kosten kommen. Zu bemängeln hat er nur, dass Verlag und Herausgeber Ludger Lütkehaus ihnen dies nicht ganz leicht gemacht hätten. So hatte Hannah Arendt in den sechziger Jahren eine Übertragung dieser Arbeit ins Englische begonnen und in eine Sprache, die, wie sie an Karl Jaspers schrieb, auch "ein Mensch verstehen kann, der philosophische Stenographie nicht gelernt hat". Wäre es nicht der Mühe wert gewesen, fragt Ritter darum, dem Leser auch "eine Probe davon vorzusetzen"? Nicht zustimmen mag der Rezensent außerdem, wenn der Herausgeber in seinem Vorwort behauptet, allein die vorliegende Fassung zeige den Anfang von Arendts Denken. Ritter hält dagegen, dass Arendt bereits ein Jahr nach Erscheinen ihrer Dissertation einen Artikel veröffentlicht habe, der die "erzählerischen Merkmale ihrer späteren Werke" bereits erkennen ließ. Dieser Artikel als Zugabe hätte dem Leser, so Ritter, also auch klarmachen können, das "philosophische Stenographie" und "sachliches Erzählen" bei Arendt von Anfang an zusammengehörten.
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