Die Stabilität einer pluralistischen Gesellschaft und liberalen Demokratie wird insbesondere durch gesellschaftliche und staatliche Institutionen gewährleistet. Die autoritär-nationalradikale AfD versucht, diese Institutionen zu destabilisieren und zu delegitimieren, um einen autoritären Systemwechsel "von innen" durchzusetzen. Die Autorinnen und Autoren untersuchen die Strategien und Taktiken der AfD, in unterschiedliche Institutionen der Bundesrepublik Deutschland einzudringen, um die Handlungspraxis zu verändern und dort ihre autoritären Positionen zu "normalisieren". Die Beiträge analysieren das Vorgehen der Partei in Gewerkschaften und Verbänden, Medien und Kulturinstitutionen, Schulen und Einrichtungen der politischen Bildung, Parlamenten und Justiz, Polizei und Sicherheitsbehörden. Sie gehen der Frage nach, welche Institutionen besonders anfällig für - oder aber resilient gegen - Versuche der Destabilisierung durch die autoritär-nationalradikale AfD sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2026
Rezensent Justus Bender empfiehlt dringend den von den Autoritarismusforschern Günter Frankenberg und Wilhelm Heitmeyer herausgegebenen Sammelband mit 16 Beiträgen zur möglichen Destabilisierung der Demokratie durch die die AfD. Das Buch eignet sich laut Bender für den politischen Alltagsgebrauch. Etwa, wenn der Soziologe Wolfgang Kühnel beschreibt, wie die AfD die Schulen "reformieren" könnte, oder der Jurist Maximilian Steinbeis erklärt, wie die Partei über bereits von ihr kontrollierte Institutionen ihre Macht ausbaut. Andere Texte befassen sich laut Bender mit möglichen Veränderungen in der Kultur und in der politischen Bildungsarbeit unter einer AfD-Regierung sowie mit der Einflussnahme auf die Polizeiarbeit. Gut, all diese Risiken zu kennen, befindet Bender.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2025
Eine angenehme Lektüre ist dieses Buch laut Rezensent Peter Laudenbach nicht, aber eine wichtige. Die von insgesamt 13 Wissenschaftlern verfasste und von Günter Frankenberg, einem Staatsrechtler sowie Wilhelm Heitmeyer, einem Soziologen, herausgegebene Studie beschäftigt sich mit dem Druck, den die AfD bereits jetzt schon auf demokratische Institutionen ausübt. Ziel ist ein Umbau des Staates von innen, arbeiten die Autoren dabei laut Laudenbach heraus, sobald die AfD in Bund oder Ländern Regierungsverantwortung trägt, könnte es ernst werden. Thematisiert werden unter anderem die Attacken von Parteivertretern gegen die Kunstszene, andere Kapitel widmen sich etwa den Gefahren, die durch eine rechtsextreme Übernahme der Polizei drohen, oder den Versuchen der Einflussnahme auf Justiz und Gewerkschaften. Der "Marsch durch die Institutionen", den die AfD laut dieser Veröffentlichung anstrebt, wird nur aufzuhalten sein, wenn verschiedene Gesellschaftsbereiche im Blick behalten werden, glaubt Laudenbach nach der Lektüre dieses zu diesem Zweck hilfreichen Buches.
Bildungspolitik ist Ländersache. Justus Bender resümiert in der FAZ einen Beitrag des Soziologen und Kriminologen Wolfgang Kühnel in einem Band über die AfD als "Autoritäre Treiber eines Systemwechsels". "Die AfD will den Zugang zu Gymnasium und Universität erschweren. Das ist insofern eine Ironie, als dass sie als Arbeiterpartei damit den sozialen Aufstieg ihrer eigenen Klientel verhindert. Kinder aus der Oberschicht haben eine viermal höhere Chance auf einen Gymnasiumsplatz als Kinder von Facharbeitern - bei gleichen kognitiven Fähigkeiten." Und "es soll autoritärer werden an den Schulen. Kühnel beschreibt, wie die AfD auf Meldeportalen Namen sammelt von Lehrern, die nicht 'neutral' genug auftreten. Der Band enthält Anekdoten, in denen Lehrer erzählen, wie sie mit Dienstaufsichtsbeschwerden eingeschüchtert werden sollen, damit sie nicht aufbegehren, wenn Hakenkreuze auf Schultische gemalt werden und 'Arbeit macht frei' gerufen wird." Unser Resümee
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