Das kommende Sein ist weder individuell noch allgemein, sondern beliebig. Singulär, doch ohne Identität. Bestimmt, doch nur im leeren Raum des Beispiels. Und dennoch weder allgemein- noch gleichgültig: es ist im Gegenteil solcherart, dass es immer angeht. Es ist der eigentliche Gegenstand der Liebe. Seine Logik: die Paradoxa der Mengenlehre, die Ununterscheidbarkeit einer Klasse von ihren Elementen, einer Sache von ihrer Bezeichnung. Seine Ethik: einzig die eigene Seinsweise sein, nichts vermögen als die eigene Möglichkeit oder Potenz, die Sprache als solche erfahren. Seine Politik: eine Gemeinschaft ohne jede Voraussetzung oder Bedingung der Zugehörigkeit (italienisch, rot, moslemisch, kommunistisch sein) zu bilden, der unwiderrufliche Auszug aus dem Staat, die Konstruktion eines mitteilbaren Körpers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2003
Christian Geyer begrüßt, dass Agamben mit diesem sowie einigen weiteren gerade beziehungsweise in Kürze erscheinenden Bänden, nun auch in Deutschland mit "zentralen Werken präsent" sei. Im vorliegenden Band werde noch einmal deutlich, berichtet Geyer, dass für Agamben zentrale Unterscheidungen und Grenzen heute gefallen sind, so neben der von Tier und Mensch etwa auch die zwischen Gott und Teufel. Im vorliegenden Band kreisen so dann zwanzig Einzelbetrachtungen, wie man erfährt, um den für Agamben zentralen Gedanken, dass das Konzentrationslager "die Möglichkeit zur Unterscheidung selbst in seinen Vernichtungsbann gezogen" habe. So bleibe Agamben dann als einzige Möglichkeit zur Bestimmung des Menschen etwa nur noch, schreibt Geyer, ihn "im Zirkelschluss aufzurichten: Er ist dasjenige Tier, so erklärt er, das sich selbst als menschlich erkennen muss, um es zu sein."
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