Werner Becker

Das Dilemma der menschlichen Existenz

Die Evolution der Individualität und das Wissen um den Tod
Cover: Das Dilemma der menschlichen Existenz
W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783170164239
Broschiert, 320 Seiten, 25,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.02.2001

Individualität, so Beckers zentrale These, entstand nicht in der Reformation und nicht in der Renaissance, sondern im Moment, in dem dem Menschen seine eigene Sterblichkeit bewusst wurde. Mit dieser Einsicht perspektiviert der Mensch sein Leben in Richtung (individuell endlicher) Zukunft und versucht, "in der Erkenntnis der Einzigartigkeit" seine eigene Außergewöhnlichkeit zu demonstrieren. Die großen Kulturleistungen wie Religion und Gesellschaftsbildung der Menschheit verdanken sich nach Beckers Ansicht diesem Wissen um den Tod - allerdings auch und gerade über den Umweg von "Entlastungsstrategien". Mit der Aufklärung habe eine Umstellung auf ein Gleichheits-Modell stattgefunden, das zwar nicht die Individualität auszuradieren vermag, aber doch dazu führt, dass "heute der Tod lediglich als Einzelfall eines allgemeinmenschlichen Sterbenmüssens betrachtet werde". Die Rezensentin Franziska Meier lobt an der "eindringlichen" Studie, dass sie "klar und verständlich geschrieben" ist, bemängelt nur ein gelegentliches Zuviel an historischen Beispielen und kann des Autors positive Sicht auf den heutigen "Umgang oder Nicht-Umgang mit dem Tod" nicht teilen.

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