Gerd Koenen

Die Farbe Rot

Ursprünge und Geschichte des Kommunismus
Cover: Die Farbe Rot
C. H. Beck Verlag, München 2017
ISBN 9783406714269
Gebunden, 1133 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

"Du schließt die Augen und schaust in die Sonne, und durch deine Lider hindurch siehst du die Farbe deines Blutes - ein Karminrot. Dies ist die Farbe deiner leiblichen Existenz. Grün ist die Farbe der äußeren Vegetation. Gelb ist die Farbe der Sonne. Blau ist der Himmel über dir."
Mit diesen Sätzen beginnt Gerd Koenen seine epische Geschichte eines Traums, der so alt ist wie die Menschheit. Dieser Traum von der großen welthistorischen Kommunion, in der alle Menschen Brüder werden und keiner mehr des anderen Knecht sein muss, hat eine gewaltige Spur durch die Jahrhunderte gezogen, bis im Oktober 1917 die Revolution in Russland den Kommunismus an die Macht bringt. Doch als die Utopie nach der Wirklichkeit greift, wird der Traum zum Albtraum. Koenen schildert die Geschichte des Kommunismus auf eine völlig neue und entstaubte Weise. Er lässt Philosophen, Revolutionäre und Politiker zu Wort kommen, und er beschreibt die Ursachen für die Anziehungskraft der kommunistischen Idee: Herrschaft und Unterdrückung, Elend und Armut der Ausgebeuteten. Er führt vor Augen führt, warum der Kampf um soziale Gerechtigkeit in einer Welt des Kapitalismus bis heute legitim und aktuell ist - aber ebenso wie und weshalb das Rendezvous des Kommunismus mit der Geschichte in Terror und Paranoia endete.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.11.2017

Gerd Koenens tausendseitiges Werk über den Kommunismus sticht aus der Vielzahl der Erscheinungen zum Thema hervor, versichert Rezensent Alexander Cammann. Nicht nur, weil das Buch, wie er findet, brillant geschrieben ist, sondern auch, weil der Historiker neue Perspektiven eröffnet, so Cammann. Er lässt sich von Koenen auf einen - zugegebenermaßen recht ausführlichen - Streifzug durch die Jahrhunderte mitnehmen, lernt einiges über das "ständige Wechselspiel" zwischen Theorie und Praxis, Ideologien und Emotionen, liest eindringliche Zitate und staunt, wie geschickt der Autor historische Momente szenisch verdichtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2017

Herfried Münkler verdrückt eine Träne. Mit Gerd Koenens Buch bekommt er es schwarz auf weiß: Die Geschichte des Kommunismus ist am Ende. Das heikle Unternehmen, diese Geschichte bis dahin zu rekapitulieren, gelingt dem Autor laut Münkler allerdings, indem er die Sowjetunion ins Zentrum seiner Betrachtung rückt. Koenens Fähigkeit, Beobachtungen zu Adam Smith und Theorien von Thomas Müntzer gleichsam umsichtig vor Leser auszubreiten und die Fallen der Ideengeschichte zu umgehen, scheint Münkler bemerkenswert. Ein hegelianischer Blick, der die eigenen Zweifel klug mit in die Betrachtung einbezieht, findet Münkler.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2017

Als Historiografie taugt Gerd Koenens Geschichte des Kommunismus "Die Farbe Rot" nicht wirklich, bedauert Urs Hafner. Auf mehr als eintausend Seiten reihe der Autor Anekdoten aus mehreren Jahrtausenden Welt-, Literatur- und Ideengeschichte aneinander, wobei er manchmal die späte Rezeption antiker Werke fälschlicherweise als Nachweis dafür anführt, dass der Kommunismus damals bereits in nuce enthalten war, erklärt der Rezensent. So entsteht keine schlüssige Erzählung, zu der man Stellung beziehen könnte, kritisiert Hafner. Allerdings vermeidet Koenen dadurch, den Begriff Kommunismus gleichförmig auf alle historischen Strömungen anzuwenden, die sich auf ihn berufen haben, lobt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.09.2017

Jens Bisky erkennt ein Fragezeichen hinter der Wendung vom Ende des Kommunismus. Gerd Koenens monumentale Darstellung hilft ihm dabei. Beeindruckt hat ihn am Text die Sammlung all der bekannten und weniger bekannten Bestimmungen, Aphorismen, Zitate und Beschreibungen zum Kommunismus, vor allem aber, wie der Autor sich immer wieder selbst misstraut und alles andere als ein wohlfeiles Handbuch vorlegt, indem er den Bogen sehr weit spannt von Gilgamesch bis zu den jüngsten Verlautbarungen von Chinas KP. Schwach findet der Rezensent hingegen die proportionale Ordnung des Buches (nur 200 Seiten nach Lenins Tod?). Insgesamt scheint es ihm trotz seiner 1000 Seiten zu kurz.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.09.2017

Nach der Lektüre von Gerd Koenens Geschichte des Kommunismus "Die Farbe Rot" rät Rezensent Richard Herzinger zur Wachsamkeit: die Ideologie sei im Wandel und wenigstens in ihrer chinesischen Variante der Kopplung an einen staatsgesteuerten Turbokapitalismus eine gefährliche Konkurrenz für die liberalen Demokratien, so Herzinger. Koenen, der sich lange Zeit selbst als Kommunist verstand, schweift in seiner Geschichte zwar sehr weit ab, findet der Rezensent, aber die Widersprüche und das Gefälle zwischen Idee und Wirklichkeit arbeitet er dennoch schön heraus, weshalb Herzinger das Buch gerne all jenen empfiehlt, die sich vor einem eintausendseitigen Essay über den Kommunismus nicht scheuen.