Gabriela Adamesteanu

Der gleiche Weg an jedem Tag

Roman
Cover: Der gleiche Weg an jedem Tag
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783895612978
Gebunden, 440 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Rumänischen von Georg von Aescht. Rumänien in den fünfziger Jahren: Letitia Branea wohnt mit ihrer Mutter und dem Onkel zur Untermiete, der Vater sitzt im Gefängnis, ohne dass sie weiß, weswegen. Das junge Mädchen muss Tag für Tag erleben, wie ihre Familie drangsaliert und ihr Onkel von Denunzianten an seiner Arbeit als Wissenschaftler gehindert wird. Sie sehnt sich danach, der Enge der Provinz zu entkommen, ihre Träume und die ihres Onkels zu verwirklichen. Sie geht nach Bukarest, um zu studieren, doch die Geister der Vergangenheit folgen ihr. Der Makel ihrer Familie ist im Mädchenwohnheim und bei der universitären Obrigkeit längst bekannt. Und selbst die Liebe zu dem jungen Dozenten Petru Arcan, der ihr dabei hilft, das Buch ihres Onkels zu veröffentlichen, hat ihre Schattenseiten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2014

Für die aschgrauen Jahre Rumäniens unter der Diktatur kann sich Karl-Markus Gauß keine bessere Chronistin vorstellen als Gabriela Adamesteanu, die nun endlich auch auf Deutsch zu lesen ist. Dass der Roman bereits 40 Jahre auf dem Buckel hat, scheint Gauß nicht zu stören. Die Emanzipation der Studentin Letitia von Rohheit und Trauer, den die Autorin Schritt für Schritt anschaulich und mit Gespür für feine Seelenregungen und Stimmungen als Entwicklungsgeschichte festhält, ist für Gauß zeitlos. Als beklemmend, mitunter auch als sozialgeschichtlich interessant empfindet er die von Adamesteanu gezeichnete Atmosphäre, aus der sich die junge Frau zu befreien sucht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2013

Diese von der Autorin überarbeitete deutsche Ausgabe des bereits 1975 erschienenen autobiografischen Romandebüts von Gabriela Adamesteanu gibt Joseph Croitoru einen guten Eindruck von den gesellschaftlichen Verhältnissen im damaligen Rumänien. Anhand der Geschichte einer Studentin, ihrer Kommilitoninnen und der gemeinsamen Sorgen (die räumliche Enge, die Jungs) in einem Bukarester Wohnheim erfährt Croitoru in lose verdrahteten Szenen unter anderem über die Zwänge und die Probleme einer Außenseiterin. Adamesteanus Beschreibungen findet der Rezensent kunstvoll, die vielen Leerstellen im Buch deutet er als das Dunkle in einer repressiven Gesellschaft.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2013

Jan Koneffke findet es schade und verwunderlich, dass Gabriela Adamesteanu im deutschsprachigen Raum bisher kaum ein Begriff ist, wurde die Autorin doch bereits vielfach erfolgreich übersetzt und gilt in ihrer Heimat Rumänien längst als bedeutende Vertreterin der zeitgenössischen Literatur. "Der gleiche Weg an jedem Tag" ist das 1975 erschienene Romandebüt der Autorin, berichtet Koneffke, der von den üblichen Mängeln von Frühwerken keine Spur entdecken kann. Adamesteanu beschreibt aus der Perspektive einer "widersprüchlichen, sensiblen jungen Frau", Letitia, wie ihr Onkel und Ziehvater stirbt. Dieser war zuvor bei der Partei in Ungnade gefallen, weil er einst Mitläufer der faschistischen Legionäre war. Auch Letitia wird vom Regime "für die Vergehen der Familie in Sippenhaft genommen", dennoch setzt sie sich dafür ein, dass die Schriften ihres Onkels postum veröffentlicht werden, berichtet der Rezensent, der von Autorin und Buch gleichsam beeindruckt ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.03.2013

Erfreut zeigt sich Carola Ebeling über diesen bereits 1975 erschienen Debütroman von Gabriela Adamesteanu, der nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt. Die inzwischen vielfach ausgezeichnete Autorin, die zu den wichtigsten Schriftstellerinnen Rumäniens zählt, schildert für sie eindrucksvoll die Repression und permanente Angst im totalitären Rumänien anhand der Geschichte des Erwachsenwerdens einer jungen Frau. Ebeling attestiert der Autorin, von den politischen Verhältnissen zu erzählen, ohne politische Ereignisse konkret zu benennen, indem sie deren Niederschlag in den Biografien der Menschen beschreibt. So gelingt ihr nach Ansicht der Rezensentin eine fast universelle Geschichte des Erwachsenwerdens mit all ihren Schwierigkeiten und Zweifeln und zugleich ein Porträt der rumänischen Gesellschaft der 50er und 60er Jahre.
Stichwörter