Mit zahlreichen Abbildungen. Die hochemotionale Korrespondenz des Künstlerpaares gibt Einblicke in ein sozial, kulturell und politisch tief bewegtes Leben.
Frank Wedekind lernte Tilly Newes während der Proben für die Wiener Premiere der Tragödie "Die Büchse der Pandora" Ende Mai 1905 kennen. Sie spielte die Hauptrolle der Lulu und Wedekind den Jack, ihren Mörder. Nach der äußerst erfolgreichen Aufführung bedankte sich der Dramatiker mit einem Brief an die "Verehrte große Künstlerin" für ihr hervorragendes Spiel. Damit begann eine leidenschaftliche Liebesgeschichte und ein außergewöhnlicher Briefwechsel, der einen intimen Einblick in die komplizierte Beziehung zweier Künstler gewährt.
Über 700 Briefe geben reiche Auskunft über die gemeinsame Theaterarbeit, die Bühnenerfolge und das dramatische Privatleben des Paares nach der Jahrhundertwende. Beleuchtet werden die engen Kontakte zu Theaterschaffenden wie Victor Barnowsky, Max Reinhardt, Georg Stollberg, zu Journalisten und Politikern wie Maximilian Harden, Walther Rathenau und Theodor Wolff.
Der gründlich kommentierte Briefwechsel gewährt daneben tiefen Einblick in zeittypische männliche und weibliche Rollenzuschreibungen und -übernahmen, an denen letztlich Frank und Tilly Wedekinds Beziehung zerbrach.
Mit jeweils einem Selbstmordversuch von Tilly begann und endete die Ehe mit dem 22 Jahre älteren Frank Wedekind, weiß Rezensent Matthias Weichelt. Dazwischen, in den Jahren 1905 bis 1918, entstand dieser Briefwechsel, der auf knapp 500 Seiten und mit einem ebenso umfassenden Kommentarband nun erstmals veröffentlicht wurde, fährt der Kritiker fort, der nicht nur gebannt von den latenten Spannungen innerhalb der Ehe, Verleger-Streitigkeiten und Gerichtsprozessen liest, sondern auch von der Diskriminierung der Frau in der Welt der Bohème erfährt: Es sei nie sein Ziel gewesen, mit einer berühmten Schauspielerin verheiratet zu sein, schrieb Wedekind etwa über Tilly, liest Weichelt in den Briefen. Tilly gab dann auch prompt ihre Karriere auf.
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