Bis ins 19. Jahrhundert reichen die Pläne zurück, in Salzburg - zunächst um Mozart zentrierte - Festspiele zu installieren. Doch erst nach dem Zusammenbruch der Monarchie, als Reaktion auf diesen, nahmen sie durch den Dichter Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt 1920 Gestalt an. Ziel des konservativen Vordenkers Hofmannsthal war es, dem verbliebenen Rumpfstaat Österreich durch Rückgriff auf den Barock eine Ersatzidentität anzumessen: als Hort europäischer Hochkultur. Dabei begriff er Salzburg als katholische Antwort auf das protestantische Bayreuth, seinen "Jedermann" als Antwort auf Wagners "Parsifal".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.09.2000
Der amerikanische Geschichtsprofessor ist offenbar, schreibt Gerda Marko, durch seine Übersetzertätigkeit und Herausgabe der Brosch`schen Studie über Hofmannsthal auf das Thema Salzburg gestoßen. Und mit diesem Buch hat er, so zitiert sie den derzeitigen Festspielleiter von Salzburg, Gerald Mortier, eine `brillante` Auseinandersetzung mit dem Mythos Salzburg vorgelegt. Sie selbst bedauert, dass die "faktenpralle" Arbeit in vielen Facetten oft nur für "akademisch gebildete Leser" zugänglich ist. Aber die Aufbereitung Salzburgs als Thematisierung österreichischer Identität hat sie dennoch überzeugt. Da geht es dann insbesondere um das Barock, seine "Totalität und Theatralität", um Gegenreformation also, die in ihrer Rückwärtsgewandtheit der kollektiven Psyche Österreichs nach dem Zerfall des Habsburgerreichs entsprach. Hugo von Hofmannsthal hat mit seinem "Jedermann" zur Eröffnung des Salzburger Reigens 1920 die Vorlage zur Selbstfeier der neuen Republik gegeben. Und wenn dies Traditions-Stück zwischen 1938 und 1946 auch nicht mehr gespielt werden durfte, so hat Steinberger doch keine Schwierigkeiten zu belegen, warum auch der Austrofaschismus und schließlich die Nationalsozialisten die Salzburger Festspiele so leicht für sich in Anspruch nehmen konnten, urteilt Marko.
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