Der Weg in die deutsch-ukrainische Kollaboration im Zweiten Weltkrieg war lang. Nationalisten beider "zu kurz gekommenen" Völker strebten schon seit 1914 nach einer Zusammenarbeit gegen vorgebliche gemeinsame Feinde, Polen, Russen, Juden. Frank Golczewski beleuchtet unter neuen Fragestellungen die weithin unbekannte, oft groteske Geschichte zweier ungleicher Partner und ihrer ideologisch-politischen Konzepte für die Änderung des status quo. Seit 1914 versuchten beide Seiten kontinuierlich, einander für die eigenen Ziele nutzbar zu machen. Ukrainische Nationalisten im Exil buhlten um deutsche Politiker, Deutsche benutzten sie, um an die versprochenen Reichtümer der Ukraine zu gelangen. Beide Seiten täuschten einander und suchten anschließend gleich wieder neue Kooperation. Deutsche Stellen hatten Beziehungen zu "ihren" jeweiligen Ukrainern, die sich wie bei Emigranten nicht selten heftig befehdeten. In der gemeinsamen Entfremdung von der Entente kristallisierte sich das Aufeinander-Verwiesen-Sein deutscher und ukrainischer politischer Kreise heraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2011
Eindrucksvoll an dieser Studie zur Geschichte der deutsch-ukrainischen Beziehungen findet Friedrich Kießling vor allem den Umstand, dass der Autor sich nicht auf eine einseitige Einflussnahme versteift. Stattdessen weist Frank Golczewski dem Rezensenten die Bilateralität der Beziehungen zwischen 1914 und 1939 nach sowie ihre Abhängigkeit von persönlichen Kontakten und dem Bild der beiden Seiten voneinander. Eine Pionierarbeit, meint Kießling, die allerdings den Leser fordert. Des schieren Umfangs wegen, aber auch, wie Kießling erklärt, weil die verschiedenen Fraktionen der ukrainischen Unabhängigkeitsbewegung schwer auseinanderzuhalten sind.
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