Hjalmar Schacht war der mächtigste deutsche Bankier des 20. Jahrhunderts. Er diente der Weimarer Republik und dem "Dritten Reich", zwang eine demokratische Regierung in die Knie und finanzierte Hitler die Aufrüstung. 1923 wurde Schacht von Stresemann zum Reichsbankpräsidenten ernannt, 1930 trat er nach einem Konflikt mit der Reichsregierung zurück. 1933 kehrte der Nationalsozialist Schacht auf Hitlers Ruf in das Amt des Reichsbankpräsidenten zurück, wurde später Reichswirtschaftsminister und Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft. Schacht war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Doch als er gegen die nationalsozialistische Rüstungs- und Finanzpolitik protestierte und offen seine Bedenken gegen die Kriegsvorbereitung äußerte, entließ Hitler ihn. Schacht hatte gehofft, Hitler den Geldhahn zudrehen zu können - und scheiterte. Hitlers getreuer Gefolgsmann wurde ein Mann des konservativen Widerstands, der nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 bis zum Kriegsende im Konzentrationslager inhaftiert war und das Dritte Reich nur knapp überlebte.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 07.12.2006
Die "Geschichte einer von der eigenen Vortrefflichkeit überzeugten Expertenexistenz" findet Klaus Hildebrand in dieser Biografie Hjalmar Schachts, die Christoph Kopper vorgelegt hat. Er würdigt Koppers umfängliche Auswertung von neuen Dokumenten aus dem Nachlass Schachts sowie seine profunde, kenntnisreiche Darstellung. Ausführlich rekapituliert er die Karriere des ebenso begabten wie arroganten Schacht, der unter Hitler Reichsbankpräsident und dann Reichswirtschaftsminister wurde, die Aufrüstung finanzierte, dann aber in Ungnade fiel. Als größte Irrtümer des Bankiers betrachte Kopper die Unterschätzung von Hitlers Kriegswillen sowie seinen Glauben, dem Führer jederzeit den Geldhahn zudrehen zu können - wenn dieser die Verschuldung zu hoch betrieben hätte. Außerdem hebt Hildebrand Koppers Nachweis hervor, dass Schacht, obwohl kein ausgemachter Antisemit, von der kriminellen Arisierungspraxis der Nazis profitierte.
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