Michael J. Sandel

Gerechtigkeit

Wie wir das Richtige tun
Cover: Gerechtigkeit
Ullstein Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783550080098
Gebunden, 413 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Reuter. Eine Einführung in die Moralphilosophie und ein Plädoyer für einen aktiven Bürgersinn. Ist es in Ordnung, wenn Dachdecker nach einem Sturm den Preis für Reparaturen drastisch erhöhen? Warum gilt es als unmoralisch, Leihmütter für das Austragen eines Kindes zu bezahlen? Darf ein Soldat einen Schäfer erschießen, der seinen Spähtrupp an die Taliban verraten könnte, und damit das Leben von vielen Kameraden retten? Anhand solcher Beispiele aus dem realen Leben, aber auch aus Literatur und Weltgeschichte diskutiert Michael J. Sandel die für jede Gesellschaft entscheidende Frage: Gibt es ein allgemeines Kriterium für gerechtes Handeln? Er prüft die Tauglichkeit moralischer Normen und stellt bedeutende Philosophen wie Aristoteles, Kant und Rawls einander gegenüber. Zudem erläutert er sein eigenes Konzept, in dem das Gemeinwohl und der konkrete Nutzen für den Menschen im Zentrum allen Tuns stehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2013

Zumindest alltägliche Moralvorstellungen sieht Mario Schärli mit Michael Sandels Einführung in die Philosophie der Gerechtigkeit infrage gestellt. Das ist schon viel, lässt uns Schärli wissen, denn die Theorien aus diesem Umfeld, Utilitarismus Liberalismus etc., sind komplex, und Sandel findet eingängige Beispiele aus aktuellen Debatten, um sie zu exemplifizieren. Darüber hinaus jedoch scheint das Buch, das Sandels berühmte Harvard-Vorlesungen über Gerechtigkeit in Duktus und Stil weitgehend originalgetreu wiedergibt, dem Rezensenten die Antwort auf die Frage nach dem richtigen und gerechten Tun schuldig zu bleiben. Jedenfalls lässt den Rezensenten Sandels Vorstellung von einer Wertegemeinschaft als Lösung unbefriedigt zurück.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Dieses Buch würde der ehemalige Mainzer Rechtsphilosoph Norbert Hoerster ganz bestimmt nicht als Habilitation durchgehen lassen. Nur Spott hat Hoerster für Michael Sandels Annahme übrig, dass ein "weitgehender Konsens in der Gesellschaft bezüglich der moralischen Grundsätze unsere Handelns" herzustellen sei. Ja, sollte der Sandel denn ein Demokrat sein? Etwas lustlos und trocken nimmt Hoerster in der Folge die Darlegungen des in den USA überaus populären Philsophen zu den Idealen des Gemeinwohls, der Freiheit und der Tugend in Augenschein. Recht fragwürdig klingt in der Tat, was Hoerster als Sandelsches Ideal der Tugend zitiert: Da soll man auf jeden Fall schon mal Loyalität und Solidarität zu seiner Gesellschaft leisten und sich ihren Werten, gar ihrer Religion fügen - als gebe es gar keine Chance, universelle Werte zu formulieren. Obwohl er aber Professor in Mainz war, so Hoerster, war für ihn der Karneval niemals ein höherer Wert, und er empfindet auch keine moralische Verpflichtung dazu. Am Ende mag der Professor das Buch allenfalls "Lesern von Bestsellern" empfehlen.
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