Nach zwanzig Jahren, die er in Japan verbrachte, kehrt ein Kulturwissenschaftler zurück nach Deutschland - und ist entsetzt. Aus einer zivilen Gesellschaft ist ein Horde von Grobianen geworden. Florian Coulmas schlidert seine Erlebnisse und Beobachtungen. Ein teils komischer, teils erschreckender Blick auf unsere Alltagswelt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2002
Dieses Buch des Kulturwissenschaftlers Coulmas scheint Volker Breidecker nicht nur amüsiert sondern ihm auch interessante Anregungen geliefert zu haben. Coulmas, der lange Zeit in Japan verbracht hat, schildere den deutschen Alltag und die deutschen Umgangsformen, wie er sie nach seiner Rückkehr erlebt hat, wobei der Vergleich mit den Japanern nicht ausbleiben kann. Im Gegensatz zu diesen wirken die Deutschen häufig laut und unzivilisiert, so dass die Japaner "durchweg besser abschneiden". Was dem Rezensenten besonders gefällt, ist die Tatsache, dass hier nicht versucht werde, Kulturen in Begriffen wie über- oder unterlegen darzustellen. Stattdessen werde versucht, dem Leser zu zeigen, dass sich viele Dinge auch einfach anders sehen und handhaben ließen, und es ist diese Botschaft, die den Rezensenten besonders begeistert.
Florian Coulmas, der lange Jahre in Japan und den USA gelebt und gelehrt hat, ist nach Deutschland zurückgekommen und hat mit diesem "feuilletonistisch belebten Essay" den "Kulturschock der Heimkehr" beschrieben, erzählt Klaus Harpprecht, der das Buch nicht nur mit großem Vergnügen, sondern auch mit Zustimmung gelesen hat. Sind die Deutschen nicht grässlich laut? Pampig in der Diskussion, faul und ewig biertrinkend? Und dann dieser unerfreuliche Umgang mit der Autorität, stöhnen Coulmas und Harpprecht unisono. Die Erzieher haben zu wenig davon, Straßenbahnkontrolleure zu viel. Nur in einem Punkt will Harpprecht den Ausführungen des Autors nicht folgen: Coulmas' Erklärung, warum sich Japan so wenig mit seiner militärischen Vergangenheit auseinandersetzt, findet der Rezensent "zu einfach". Das zeige doch wohl eher, dass in Japan auch nicht alles zum Besten steht.
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