Klappentext

Wie überlebten rund 200.000 Juden in Frankreich die Shoah? Obwohl Frankreich bereits 1940 von den Deutschen besetzt wurde, über­lebten 75 Prozent der Juden in diesem Land die Shoah. Diese erstaunlich hohe Zahl kam nicht etwa zustande, weil alle Verfolgten untertauchten. Viele setzten trotz Antisemitismus und Denunziation während der Besatzungszeit ihr Leben auf legale oder halb­ legale Weise fort und konnten auf Hilfe von der nicht jüdischen französi­schen Bevölkerung, von christlichen und jüdischen Organisationen zählen. Der Historiker Jacques Semelin, Experte auf dem Gebiet des zivilen Wider­stands und der Massenverbrechen, untersucht die Rahmenbedingungen, die es so vielen Juden in Frankreich ermöglichten, der Deportation zu entkommen. Anhand zahlreicher Lebensgeschichten von Verfolgten und von Akten aus den Archiven der Vichy-Regierung gelingt es ihm, eine Lücke in der Geschichtsschreibung der Shoah zu schließen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2019

Rezensent Helmut Mayer erfährt aus Jacques Semelins Studie von 2013, vorliegend in der gerafften deutschen Version, welche Überlebensstrategien und -tricks Juden im besetzten Paris entwickelten und wie vielfältig die Hilfestellungen der Bevölkerung aussahen. Aufgrund von Archivmaterial, Literatur und Zeitzeugengesprächen vermittelt der Autor die Proteste der Kirche und einen gegen Deutschland gerichteten Patriotismus ebenso wie die Gesten der Mitmenschlichkeit unter den nichtjüdischen Parisern. Dass diese Schilderungen nur die eine Seite sind, Ressentiments und sogar Genugtuung über die Deportationen die andere, verdeutlicht das Buch dem Rezensenten auch.
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