Felicitas Hoppe

Paradiese, Übersee

Roman
Cover: Paradiese, Übersee
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498029678
Gebunden, 224 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Ritter und Duellanten, Handlanger und Pilger, Sommerverbrecher und Zeitungsleser hatten bereits die Geschichten aus "Picknick der Friseure" bevölkert, bevor mit "Pigafetta" dann das Abenteuer der Reise begann. Der neue Roman von Felicitas Hoppe greift ein weiteres Mal dieses Motiv auf für eine weit gespannte Reise durch die Kontinente und Zeiten, mit einem veritablen Ritter auf einem Pferd, einem ihn begleitenden Schreiber und drei Abenteurern auf der Suche nach dem kostbaren Fell der seltenen Berbiolette.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2003

Michael Quasthoff ist hingerissen von diesem Roman, in dem ein Ritter, ein Journalist und ein sprechender Hund ausziehen, um einen Forscher und ein Fabeltier zu finden, und er versichert, dass er sich nur auf den ersten Blick als Ritter- und Abenteuergeschichte präsentiert. Er preist die Autorin für ihre "sinistere und virtuose" Art, die Leser zu verwirren und ist von der "wunderbar elastischen Prosa", mit der sie ihre verwickelte Geschichte erzählt, begeistert. Für den Rezensenten handelt es sich bei diesem Buch um nichts weniger als um ein "funkelndes Meisterwerk", wobei er die Methode Hoppes als "russische Variante" des Erzählens charakterisiert, die sich auf das "Fabulieren" verlegt, um die Wirklichkeit zu fassen zu kriegen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2003

Felicitas Hoppes Buch "Paradiese, Übersee" führt Katharina Döbler nach "über 100" Zitat-Ratestunden zu einer tiefgreifenden Erkenntnis: Literatur besteht aus Wörtern, "die wir schon mal irgendwo gelesen haben und weiterhin unzählige Male hören werden". Hoppes "unterhaltsamer", "geradezu lustiger" Stil scheint ansteckend, denn Lesevergnügen bereitet schon die vielversprechende Kritik Däublers. Diese schwärmt geradezu von den dichterischen Fähigkeiten Felicitas Hoppes: "Sie macht Metaphern zu Fakten und Legenden zu Kalauern, Redewendungen zu Schicksalen, Ideen zu Papiertigern und Papiertiger zu Schiffchen, die dann fröhlich das Buch hinunterschwimmen ...". Auch über den Inhalt des Buches (vor allem geht es um einen Ritter und dessen Reise von Wilwerwitz nach Echternach) weiß Däubler nur Gutes zu berichten: erstens ist es "niemals langweilig", zweitens muss man es gleich zweimal lesen und drittens ist es so "schwindelerregend", dass man befürchten muss, "es könnte sich samt seinem Personal beim Spiel mit den Wörtern selbst abhanden kommen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2003

Für Jörg Plath ein Buch der Extreme. "Entweder wirft man dieses Buch gleich in die Ecke, oder man versinkt darin und mag gar nicht mehr aufsehen." Der Rezensent gehört zu letzterer Fraktion und verfasst eine wahre Hymne auf Felicitas Hoppes "eigenartiges Kunstmärchen". Plath lobt die Originalität der Autorin, ihr sicheres Gefühl für Rhythmus und Ton und preist ihre "ungeheure Disziplin" sowie die "nie nachlassende Springkraft" bis zur letzten Seite. Einen "Sehnsuchtsreigen" in drei Akten habe Hoppe da geschrieben, Geschichte und Personen würden vom gleichen Motiv angetrieben, dem Verlangen nach dem Unsichtbaren. Zu Beginn allerdings, wenn noch nicht "alle Bälle in der Luft" sind, wirkt die Erzählung auf den Rezensenten etwas "unelegant". Das verflüchtige sich allerdings, wenn Hoppe und ihre Geschichte warmgelaufen sind, denn "die Phantasie der Erzählerin scheint unerschöpflich".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.02.2003

Lothar Müller äußert sich wohlwollend über Felicitas Hoppes Ritterroman "Paradiese, Übersee", lässt sich aber zu keinem expliziten Lob hinreißen. Wie mit ihren früheren Büchern, meint Müller, beweise Hoppe auch mit diesem Virtuosenstück, in dem ein Pauschalist und ein Ritter, ausziehen, um unterwegs zu sein, dass sie sich nicht durch den landläufigen literarischen Realismus verführen lasse oder gar durch das kunstlos Autobiografische. Nein, ihre Geschichten und Sätze ähneln ihm eher einer Kette von Zügen, "die jeden Leser matt setzen, der nicht mit höchster Aufmerksamkeit den verwirrenden Rochaden, verrätselten Anspielungen und erzählerischen Finten zu folgen bereit sei".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2003

Als "Erzählfundamentalistin" bezeichnet Martin Krumbholz die Autorin Felicitas Hoppe, die mit ihrem Erzählband "Picknick der Friseure" die Literaturrealos das Gruseln gelehrt habe. Ein Erzählfundamentalismus, der sich wenig um Handlung, Logik, Psychologie oder soziale Verortung schert, charakterisiert ihn Krumbholz. All diese Elemente sind auch in Hoppes "Roman" getauftem neuen Buch nicht vorhanden, die beiden Hauptfiguren heißen allgemein "der Ritter" und "der Pauschalist", was immerhin auf das Reisethema des Buches verweist, vermutet Krumbholz. Aber im Grunde sind nicht das Reisen und die große weite Welt Hoppes Thema, hat Krumbholz herausgefunden, "sondern die Weltfremdheit", die mit dem naiven Erzählton einhergehe. Bei soviel Weltabgewandtheit und Konzentration auf die textliche Ebene müsste der Leser eigentlich durch eine funkelnde Sprache entschädigt werden, meint Krumbholz und sieht sich - anders als beim "Picknick" - enttäuscht. Die Sprache ist diesmal eher sorglos und weniger originell gearbeitet, findet der Rezensent, wohl eine Folge der intendierten Munterkeit und bemühten Kindlichkeit.
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