Dzevad Karahasan

Ein Haus für die Müden

Fünf Geschichten
Cover: Ein Haus für die Müden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518428337
Gebunden, 239 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Bosnischen von Katharina Wolf-Grießhaber. Von Liebe und Verlust, Fortschritt und Erinnerung  handeln die fünf großen Erzählungen, mit denen Dževad Karahasan aus dem fernen Epochenschauplatz seines Opus Magnum "Der Trost des Nachthimmels" ins 20. Jahrhundert zurückkehrt. Der Kommunismus erreicht die bosnische Provinz. In den kleinen Städten, umgeben von einsamen, majestätischen Landschaften, spüren Karahasans Helden, dass eine Zeit anbricht, in der sie keinen Platz mehr haben. Sie verweigern sich - radikale Alte, trotzige Weltverweigerer, die auf dem Recht bestehen zu träumen, zu trauern und einfach müde zu sein. Briefe, die ihre Adressaten nicht erreichen, weil Tod und Weltgeschichte in eine Liebe hineinpfuschen, tauchen im Haus für die Müden immer wieder auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2019

Die ganze Verwirrung Bosniens durch die Jahrhunderte wird Rezensentin Nicole Henneberg bewusst beim Lesen von Dževad Karahasans Erzählungen. Ob der Autor aus Duvno über die Schlacht bei Sarajevo 1914 oder die Enteignungen unter Tito schreibt, stets spürt sie die Melancholie und die Komik, freut sich über den Eigensinn der von der Geschichte abgehängten, zähen Figuren und die gesellschaftlichen Details, die der Autor einflicht. Karahasans Beobachtungsgabe lässt sie das Netz erkennen, durch das Geschichte, Alltag und Gegenwart in Bosnien miteinander verbunden sind und waren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2019

Laut Rezensentin Ilma Rakusa haben die fünf Geschichten, die Dževad Karahasan in diesem Erzählband versammelt hat, eine große Gemeinsamkeit: Sie alle drehen sich um einen Weltfremden und Verlorenen, den Nostalgiker zu nennen seine Tragik beschönigen hieße, meint der Kritiker. Ob die Figuren im Bosnien des Ersten oder Zweiten Weltkriegs oder der Gegenwart angesiedelt sind, sie alle eint eine verbissene Weigerung, sich den Geboten ihrer fortschreitenden Zeit zu entziehen, was sie letztlich vereinsamen lässt, erzählt der Rezensent. Rakusa haben die Verweigerer tief berührt, vor allem, da Karahasan offenlässt, ob sie "Narren oder heimliche Weise" sind, wie er findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019

Nico Bleutge schätzt die Texte des bosnischen Schriftstellers Dzevad Karahasan, die seiner Meinung nach den Labyrinthen des Barockarchitekten Giambattista Piranesi ähneln. Entsprechend gern lässt sich der Kritiker auch mit diesen, im Original bereits 2014 erschienenen Erzählungen, auf Irrwege führen, folgt den philosophischen oder theologischen Reflexionen des Autors ebenso wie dessen Witzen und "Narreteien" und staunt, wie Karahasan stets Konkretes und Abstraktes, Reales und Fantastisches zusammenbringt. Wie der Autor in den hier vorliegenden fünf Erzählungen, die sich quer über das 20. Jahrhundert spannen, gesellschaftliche Mechanismen und individuelle Bedürfnisse untersucht, findet Bleutge faszinierend. Katharina Wolf-Grießbachers Übersetzung, die Karahasans wendungsreiche und "kunstvolle" Sprache gekonnt ins Deutsche überträgt, ringt dem Kritiker überdies große Anerkennung ab.

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