Dorothee Elmiger

Einladung an die Waghalsigen

Roman
Cover: Einladung an die Waghalsigen
DuMont Verlag, Köln 2010
ISBN 9783832196127
Gebunden, 144 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

In den Stollen eines Kohlereviers ist vor Jahrzehnten ein Feuer ausgebrochen und noch immer lodern unter Tage die Flammen. Margarete und Fritzi sind die übrig gebliebene Jugend einer verschwindenden Stadt. Ihr Erbe ist nichts als ein verlassenes Gebiet, in dem Verwüstung herrscht. Frühere Ereignisse sind nur bruchstückhaft überliefert. Doch die beiden Schwestern wollen diesen Zustand nicht hinnehmen. Entschlossen brechen sie auf zu einer Expedition, um ihre eigene Herkunft zu erforschen. Denn nur wer seine Geschichte kennt, kann sich eine hoffnungsvolle Zukunft aufbauen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2010

Nicht wirklich erwärmen kann sich Jan Füchtjohann für Dorothee Elmingers "Einladung an die Waghalsigen". Dass die junge Schriftstellerin beim Ingeborg-Bachmann-Preis jüngst den zweiten Platz belegte und von der Kritik mit viel Lob bedacht wurde, scheint ihm fast eher eine "Strafe" für die Autorin als ein "Glück". Richtig waghalsig findet er den knappen Text nicht, man merkt ihm seines Erachtens an, dass Elminger Jahre ihres Lebens in Literaturinstituten verbracht hat. Auf den Rezensenten wirkt es eher wie eine "Ostereiersuche für Literaturwissenschaftler", ist es doch randvoll mit Zitaten, Bezügen und Anspielungen. Bleibt ihm nur die Empfehlung an die Autorin, sich nicht hinter tausend Texten zu verschanzen, sondern die Welt dahinter zu entdecken und ihr Talent "endlich raus zu lassen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.08.2010

Ein wenig unentschieden zeigt sich Rene Hamann in seiner Kritik zu Dorothee Elmigers Debüt "Einladung an die Waghalsigen". Hat sie nun zu Recht den zweiten Preis in Klagenfurt bekommen oder nicht? Für ihn ist der Roman eigentlich "dezentes Geschwafel". Es geht um zwei Schwestern, die in einem kleinen Dorf über einem alten Kohlekraftwerk leben; darin schwelt seit Jahren ein Feuer, das die Landschaft langsam auffrisst. Ich-Erzählerin Margarete und Schwester Fritzi erforschen die Gegend und erträumen sich einen Fluss, der das Feuer ertränkt, können am Ende aber doch nur fortziehen. Hamann scheint das Buch nicht zu mögen, will es aber auch nicht klar schmähen. Misslungen will er es nicht nennen, aber für einen Roman sei es zu luftig, für Poesie zu dezent und vorhersehbar.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2010

Geradezu hymnisch besingt Roman Bucheli die poetische Kühnheit dieses Debütromans, dem er die Gattungsbezeichnung allerdings gleich wieder aberkennt. Schon bei der Lesung eines Abschnitts beim Bachmann-Wettbewerb hat Dorothee Elmiger den Kelag-Preis erhalten und der nun vorliegende Roman löst alle Versprechen mehr als ein, preist der Rezensent. Erzählt wird darin von zwei Schwestern auf der Suche nach den verschütteten Spuren ihrer eigenen, wie auch der Geschichte des ehemaligen Bergbaugebiets, in dem sie leben, erklärt Bucheli das karge Handlungsgerüst. Dabei entpuppt sich die Sprache selbst, mit der die Schwestern an ihre "Land- und Seelenvermessung" gehen, als einziges Mittel, der Verödung und dem Verschwinden entgegenzuwirken, so der Rezensent. Das liest sich durch und durch melancholisch, begeistert Bucheli aber durch seine Poesie, seine Klugheit und seine ungekünstelte Rätselhaftigkeit, wie er schwärmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2010

Ein bisschen großkotzig findet, wenn man ihre Rezension recht versteht, Pia Reinacher das nun vorliegende Romandebüt der Schweizerin Dorothee Elmiger, die gerade beim Bachmann-Preis auf Platz zwei landete, schon. Kein Roman sei das, sondern eine experimentierfreudig eingerichtete Text-Trümmerlandschaft mit Nachrichten aus einer postapokalyptischen Welt. Was genau passiert ist, weiß man nicht, überhaupt erhielten die Figuren eher vage Konturen. Deutlich und manchmal auch überdeutlich die Symbolkraft der Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft. Das Werk fordert, so Reinacher, die Mitarbeit der Leserin und des Lesers in weit überdurchschnittlichem Maß, belohne sie dabei meistens. Die intertextuelle Beflissenheit geht der Rezensentin ein klein wenig auf die Nerven. Ein Talent aber erkennt sie in der Debütautorin allemal. "Nichts ist ihr zu kühn" schreibt Reinacher, und es ist ein Lob sehr viel mehr als ein Tadel.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.07.2010

Judith von Sternburg lobt Dorothee Elmigers Debütroman "Einladung an die Waghalsigen", der soeben in Klagenfurt ausgezeichnet wurde. Angesiedelt in der postapokalyptischen Welt eines ehemaligen Kohlereviers, in der Natur, Gebäude, Gemeinwesen, Traditionen und zwischenmenschliche Beziehungen weitgehend zerstört sind, handelt der Roman für sie nicht von der Apokalypse, sondern von Aufbruch, Neugier und Tatendrang: die beiden Heldinnen des Romans, Töchter des örtlichen Polizeikommandanten, finden durch die Reste einer Bibliothek Zugang zur Zeit vor der Katastrophe und dokumentieren ihr Wissen in Listen von Orten, Sachen und Sätzen. Überzeugend und gekonnt findet Sternburg, wie die Autorin in diesen Listen Zitate und Andeutungen montiert. Dies wirkt auf sie nie "manieriert, überinstrumentalisiert, beliebig". Es entsteht für sie vielmehr etwas "Eigenes, Zwingendes". Ihr Fazit: eine beeindruckende Geschichte vom "Mumm des jungen Menschen in aussichtsloser Lage".
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