Einst Agrarwelt, dann Industriemoloch, heute dicht besiedelter Landschaftspark - kaum eine Region Europas hat sich in den letzten 150 Jahren so radikal verändert wie das Ruhrgebiet. Die notorische Frage, was seine Identität ausmacht, muss unter diesen Umständen ins Leere laufen. Außer man stellt sie selbst radikal. Per Leo versucht es und findet überraschende Antworten. Liegt der Schlüssel zum Ruhrgebiet womöglich in seinem Reichtum an Zeitbezügen, im endlosen Spiel zwischen dem, was nicht mehr, und dem, was noch nicht ist?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2023
Eine äußerst originelle Geschichte des Ruhrgebiets schreibt Per Leo in seinem neuen Buch, findet Rezensent Andreas Rossmann. So lesen wir im ersten Teil des Buches, laut Rossmann, nicht von Kulturschauplätzen in Essen oder Bochum, sondern Auszüge aus einem "Oral-History-Projekt", das von Lutz Niethammer 1980 an der Uni Essen initiiert wurde, klärt der Kritiker auf. Dem Ruhrgebiet nähert sichi Leo literarisch, seine Darstellung ist gelegentlich feuilletonistisch, mitunter satirisch, so Rossmann. Im zweiten Teil geht Leo auf die "Essener Schule" um Lutz Niethammer und Ernst Schmidt ein, die im Ruhrgebiet die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit betrieben und diese mit der "Erforschung der Industriegesellschaft" verbunden haben, erfahren wir. Dies liest sich alles "eloquent, assoziativ, pointiert", so der Kritiker, den ersten Teil des Buches auf den zweiten zu beziehen bleibt aber dem Leser überlassen, schließt er.
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