Dieter Henrich

Sein oder Nichts

Erkundungen um Samuel Beckett und Hölderlin
Cover: Sein oder Nichts
C. H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406663246
Gebunden, 493 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Samuel Beckett hat Hölderlins Werk hoch geschätzt. Er hat sogar eine von Hölderlins Strophen in das Leitwort seiner eigenen Werke - "das Nichts" - münden lassen. Die noch neue Kenntnis von dieser Beziehung stellt eine Herausforderung dar - zumal wenn man bedenkt, dass Hölderlins Weg als Philosoph im Zeichen von "das Sein" als Leitwort begonnen hat. Auf diese Herausforderung lässt sich Dieter Henrich in seinem neuen Buch ein. Es verbindet zwei ganz verschiedene Erkundungsgänge miteinander, in einer Werkanalyse und im Philosophieren. Becketts Bezugnahme auf Hölderlin wird erforscht, und der Entwicklungsgang der Werke beider wird im Blick auf das jeweils andere erschlossen.
Der Hölderlin Samuel Becketts hat ein ganz anderes Profil als das, welches im 20. Jahrhundert insbesondere von George und Heidegger gezeichnet worden ist. Überraschenderweise ist es nicht nur ein moderner Hölderlin, sondern auch einer, der näher an seinen eigenen philosophischen Fragestellungen ist. Doch wie lassen sich die Leitworte "das Sein" und "das Nichts" überhaupt verstehen? Der Frage nach ihrer Bedeutung gelten eine Erkundung der Genesis dieser Ausdrücke und eine philosophische Erkundung zu einem Grundproblem des menschlichen Nachdenkens. Von der Frühzeit der griechischen Philosophie an ist es von Dunkel umlagert. Seit zwei Jahrhunderten ist ihm überdies eine zentrale Bedeutung zugewachsen - im Denken von Hegel bis Heidegger und seitdem die Erfahrung 'des Nichts' als Grundzug der Moderne verstanden wird. Angesichts dieser Problemlage entwickelt Dieter Henrich eine eigene Position.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2016

Rezensent Christoph Menke gerät ins Philosophieren angesichts von Dieter Henrichs Erkundungen des Nichts. Henrichs Denkprogramm, das laut Menke quer steht zu geläufigen philosophischen Programmen, führt ihn zu einem metaphysischen Verständnis der Moderne. Henrichs "subtile" Analysen von Hölderlin und Beckett lassen den Rezensenten erkennen, dass sich Sein und Nichts nicht einfach entgegensetzen lassen, sondern im modernen metaphysischen Denken als dauerndes Hin und Her in Erscheinung treten, als Prozess der Erfahrung. Wie der Autor dies genau und geduldig bedenkt, immer wieder neu ansetzt, sich selbst widerspricht oder auch wiederholt, findet Menke anregend.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.09.2016

Zu einem eindeutigen Urteil ringt sich Rezensent Thomas Assheuer nach der Lektüre von Dieter Henrichs "Sein oder Nichts" nicht durch. Lang und breit, ohne Angst vor Wiederholungen erörtert ihm der Philosoph anhand der Werke Hölderlin und Becketts, deren Beziehungsreichtum er etwa an Becketts Liebe zu Hölderlin nachweist, seine These der Verbindung von Sein und Nichts als Grundambivalenzen des Lebens. Henrich scheue mit seiner Metaphysik dabei nicht den Verdacht des "leeren Tiefsinns", der hier zwar erstaunliche Einsichten erhält, aber nicht versteht, weshalb der Autor nicht zwischen existentiellem Unheil und sozialem Unrecht klar unterscheidet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.07.2016

Recht feierlich und vage kommt die Rezension Otto A. Böhmers daher, aber auf jeden Fall sehr einverstanden mit dem Ansinnen Dieter Henrichs, Philosophie und Dichtung ins Gespräch zu bringen. Dabei geht es wohl mehr um die Dichter als die Philosophen, Hölderlin zumal und Beckett, der ein großer Hölderlin-Leser war. Auch Hölderlin, so erfährt man vom Rezensenten (der selbst Dichter ist) habe sich einst der Philosophie zuwenden wollen, es dann aber vorgezogen, "nach einem Unvordenklichen zu suchen, dem das Denken, bestenfalls, nahekommt, ohne es je übersteigen zu können". So scheint es auch Henrich zur großen Zufriedenheit des Rezensenten gehalten zu haben.