Herausgegeben von David Cohen unter Mitarbeit von Elisabeth Müller-Luckner. Mit Beiträgen in englischer Sprache. Die im vorliegenden Band dokumentierte Tagung hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine genauso internationale wie interdisziplinäre Forschergruppe zum Thema "Soziale Kontrolle" zu befragen. Wenngleich mit Athen und Rom die antike mediterrane Welt imVordergrund stand, war der kulturelle und historische Bezugsrahmen großzügig bemessen, so dass aktuelle theoretische Modelle, begriffsgeschichtliche Diskurse und komparative Perspektiven Eingang finden konnten. Die Autor(inn)en nutzten die ganze Bandbreite der Untersuchungsfelder und spürten Formen sozialer Kontrolle in Glaube und Aberglaube, in gesellschaftlichen und sozialen Ge- und Verboten, in Familientraditionen, geschlechtsspezifischen Rollenverständnissen, wirtschaftlichen Netzwerken undnicht zuletzt in politischen Interaktionen auf. Im Ergebnis waren sich alle Forscher(innen) einig: Soziale Kontrolle wird in Staat und Gesellschaft ständig neu erfunden, sie ist nicht starr und endgültig, sondern wandelbar und anpassungsfähig.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.02.2003
Großes Lob spendet Karl Christ dem von David Cohen herausgegeben Sammelband, der die Beiträge eines interdisziplinären Kolloquiums zum Thema "Demokratie, Recht und soziale Kontrolle im klassischen Athen" versammelt. Beeindruckt hat den Rezensenten dabei nicht nur die Vielfältigkeit der Referate, sondern vor allem ihre akribischen Interpretationen. Besonders wertvoll findet er zwei Beiträge: Zum einen William Ian Millers Erörterung der sozialen Kontrolle im Sektor der Militärjustiz, also solcher Phänomene wie das "unerlaubte Verlassen des Schlachtfeldes" oder die "Feigheit vor dem Feind". Hier sei bestürzend, findet Christ, wie Miller darlegen könne, dass das heute gültige Militärstrafrecht der führenden Industrienationen frühmittelalterlichen Normen entspricht. Zum anderen stellt der Rezensent Karl-Joachim Hölkeskamps Referat heraus, in dem der Althistoriker das gesamte Spektrum des Begriffs "Gesetz" behandelt und eine Brücke zwischen Begriffsgeschichte und komplexer Gesellschaftsgeschichte zu schlagen vermag. Bedauerlich findet Christ allein, dass die von sozialer Kontrolle besonders betroffenen Gruppen - Frauen und Sklaven - nicht explizit berücksichtigt wurden.
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